Schweizer Familie

«Neue Medikamente wurden entwickelt»

«Neue Medikamente wurden entwickelt»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 10. September 2026

(Symbolbild: iStock)

Die Wechseljahre bringen diverse Beschwerden mit sich. Doch die moderne Medizin bietet wirksame Mittel für mehr Lebensqualität, sagt die Gynäkologin Petra Stute.

Petra Stute ist Stv. Chefärztin gynäkologische Endokrinologie am Inselspital Bern.

Petra Stute, wie viele Frauen leiden unter starken Wechseljahrsbeschwerden?
Bezieht man sich auf Hitzewallungen und Nachtschweiss, erleben bis zu 80 Prozent der Frauen solche Beschwerden zumindest zeitweise. Daneben gibt es zahlreiche weitere Symptome mit unterschiedlicher Häufigkeit. Viele Frauen haben beispielsweise Schlafstörungen, und rund ein Viertel berichtet über ausgeprägte Gelenk- und Muskelschmerzen.

Suchen sich die meisten Betroffenen Hilfe?
Das lässt sich schwer beziffern. Ich gehe aber davon aus, dass viele Frauen weniger typische Beschwerden wie Schlafstörungen oder Gelenkschmerzen gar nicht mit den Wechseljahren in Verbindung bringen. Dadurch suchen sie entweder keine Hilfe oder erhalten nicht die für sie passende Behandlung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Palette reicht von individuell angepassten Hormontherapien über nicht hormonelle Medikamente bis zu pflanzlichen Präparaten. Auch Lebensstilinterventionen und psychologische Verfahren können helfen. Entscheidend ist, die Behandlung nach den Symptomen, den persönlichen Risiken und den Wünschen der Frau auszurichten.

Viele Frauen haben Respekt vor der Hormontherapie. Zu Recht?
Vor rund 25 Jahren wurden Ergebnisse der Women’s Health Initiative so kommuniziert, als erhöhe eine Hormontherapie generell das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombose und Brustkrebs. Heute ist klar: Alter, Therapiebeginn, Präparat, Dosis und Anwendungsform sind entscheidend. Korrekt ist, dass das Brustkrebs-Risiko unter einer Östrogen-Gestagen- Therapie bei längerer Anwendung gering erhöht ist. Bei gesunden Frauen unter 60, respektive innerhalb von zehn Jahren nach der Menopause, überwiegen aber meist die Vorteile. Zudem schützt die Hormontherapie vor Knochenverlust und osteoporotischen Frakturen.

Welche Fortschritte wurden in den letzten Jahren bei der Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden erzielt?
Es wurden neue nicht hormonelle Medikamente entwickelt, die gezielt in die Temperaturregulation des Gehirns eingreifen und Hitzewallungen deutlich reduzieren können. Ebenso wichtig wie neue Therapien ist, dass das Bewusstsein für Wechseljahrsbeschwerden weiter wächst – sowohl bei medizinischen Fachpersonen als auch bei betroffenen Frauen.

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