«Die Operation dauert nur etwa 15 Minuten»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 3. September 2026
(Symbolbild: iStock)
Der graue Star gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen. Doch ein kurzer Eingriff kann die Sehkraft wiederherstellen, sagt die Augenärztin Anima Bühler.

Anima Bühler ist leitende Ärztin der Vista Augenpraxen & Kliniken in Chur.
Anima Bühler, erkranken wir alle früher oder später am grauen Star?
Grundsätzlich ja – wenn wir lange genug leben. Mit der Zeit wird die Linse in unserem Auge durch den Alterungsprozess trüb, und das Sehvermögen lässt nach. Meist geschieht das zwischen dem 70. und 75. Lebensjahr. Es gibt aber auch deutlich jüngere Patientinnen und Patienten sowie Menschen, die selbst mit 90 kaum Anzeichen von grauem Star zeigen.
Sollte man bei ersten Beschwerden sofort eine Fachperson aufsuchen?
Bemerkt man eine Sehverschlechterung, ist es sinnvoll, diese von einer Augenärztin oder einem Augenarzt kontrollieren zu lassen. Schliesslich kann sie auch andere Ursachen haben als den grauen Star.
Was geschieht, wenn es tatsächlich grauer Star ist?
Dann müssen die Betroffenen entscheiden, wie stark die Sehmacht einbusse den Alltag einschränkt. Ist der Leidensdruck hoch, operiert man rasch. Sonst kann der Eingriff noch warten. Eine andere Behandlungsmöglichkeit als die Operation gibt es aber nicht.
Besteht die Gefahr, zu lange mit dem Eingriff zu warten?
Nein, es ist nie zu spät, um den grauen Star zu operieren. Wartet man extrem lange, kann die Linse jedoch verhärten, was die Operation anspruchsvoller Sehmacht. In der Regel ist es aber ein Routineeingriff von etwa 15 Minuten, der ambulant erfolgt.
Was darf man vom Eingriff erwarten?
Manchmal sehen die Patientinnen und Patienten nach der Operation noch ein wenig verschwommen. Normalerweise bemerken sie aber schon in den ersten Tagen nach dem Eingriff eine deutliche Sehverbesserung. Ohne Begleiterkrankungen am Auge gewinnen Betroffene meist eine sehr gute Sehschärfe zurück.
Die trübe Linse wird durch eine Kunstlinse ersetzt. Wie findet man die richtige?
Entscheidend ist, welche Wünsche und Ansprüche der oder die Betroffene hat. Diese klären wir in einem eingehenden Beratungsgespräch. Wir besprechen unter anderem, welche Vorerkrankungen am Auge bestehen und ob der Patient oder die Patientin möglichst brillenfrei sein möchte oder kein Problem damit hat, etwa zum Lesen oder Autofahren eine Brille zu tragen. Es gibt viele verschiedene Kunstlinsen. Die Krankenkasse übernimmt sogenannte Monofokallinsen, die es erlauben, entweder in die Nähe oder in die Weite scharf zu sehen. Speziallinsen müssen selbst bezahlt werden.



