«Eine rasche Behandlung schützt die Sehschärfe»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 25. Juni 2026
(Symbolbild: iStock)
Löst sich die Netzhaut ab, ist Eile geboten. Darum sollten plötzlich auftretende Punkte und Ringe vor dem Auge ernst genommen werden, sagt der Augenarzt Theo Signer.

Theo Signer ist CMO und Ärztlicher Direktor der Vista Augenpraxen und Kliniken.
Theo Signer, wie zeigt sich eine Netzhautablösung?
Das Hauptsymptom sind «fliegende Fliegen» – oder «Mouches volantes». Es handelt sich dabei um Pünktchen oder Ringe, die vor dem Auge schweben. Weitere Symptome können Lichtblitze oder eine Einschränkung des Sichtfeldes sein. Diese Warnzeichen treten sehr plötzlich auf.
Welche Risikofaktoren begünstigen die Netzhautablösung?
Kurzsichtigkeit, Unfälle und vergangene Operationen am Auge. Wer etwa am grauen Star operiert wurde, hat ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung. Dasselbe gilt für Menschen mit einer genetischen Vorbelastung: Litt ein Elternteil bereits an einer Netzhautablösung, empfiehlt sich ab dem 40. Lebensjahr eine augenärztliche Kontrolle.
Wie entsteht eine Netzhautablösung?
Im Augeninneren befindet sich der Glaskörper. Das ist eine gelartige Masse, die den Augapfel zwischen Linse und Netzhaut ausfüllt. Zieht sich diese Masse zusammen und löst sich nicht vollständig von der Netzhaut, entsteht Zug auf diese. Ist die Netzhaut an einer Stelle geschwächt, kann sich ein Loch bilden. Da die Netzhaut nicht fest mit dem darunterliegenden Gewebe verbunden ist, kann sie sich von ihm ablösen. Dies sollte für eine optimale Behandlung möglichst rasch entdeckt werden. Bei Symptomen ist es wichtig, innert 24 Stunden einen Augenarzt oder eine Augenärztin aufzusuchen. Im schlimmsten Fall droht eine Erblindung.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Bei einer Netzhautablösung kommt heute meist eine Glaskörper- Spülung zum Einsatz. Dabei wird das Loch in der Netzhaut mit Kälte oder Laser behandelt, damit es später vernarbt und sich verschliesst. Zusätzlich wird häufig eine Gas- oder Luftblase ins Auge eingebracht. Diese drückt die Netzhaut an ihre ursprüngliche Position, bis die behandelte Stelle vernarbt. So kann sich das Loch wieder schliessen und die Netzhaut sich stabil anlegen.
Sieht man danach wieder genauso gut wie vor der Ablösung?
Erfolgt die Behandlung rasch, sollte die Sehschärfe danach nicht beeinträchtigt sein. Bei 95 Prozent der Betroffenen kommt es auch zu keiner erneuten Netzhautablösung. Wird aber zu lange gewartet, sodass sich die Netzhaut nicht nur am Rand, sondern auch in der Mitte ablöst, kann die Sehschärfe dauerhaft vermindert bleiben.



