«Die Ursache sind oft Gefässprobleme»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 5. November 2026
(Symbolbild: iStock)
Etwa jeder dritte Mann über 50 hat Probleme mit der Erektion. Was dagegen hilft und weshalb sie ein Warnsignal sein können, sagt die Urologin Noémie Lautenbach.

Noémie Lautenbach ist Urologin am Universitätsspital Basel und bei Uroviva Zürich.
Noémie Lautenbach, ab wann spricht man von einer Erektionsstörung?
Wenn sich die Erektionsfähigkeit im Verlauf der letzten drei bis sechs Monate verschlechtert hat und nicht mehr zuverlässig funktioniert. Entscheidend ist auch, ob die Sexualität dadurch nicht mehr befriedigend ist. Nicht jede Erektionsstörung muss behandelt werden. Eine Abklärung kann dennoch sinnvoll sein, da sie Hinweise auf mögliche Gefässprobleme liefern kann.
Was sind die häufigsten Ursachen für Potenzprobleme?
Die häufigste organische Ursache sind tatsächlich Gefässprobleme. Daneben können Testosteronmangel, neurologische Probleme sowie gewisse Medikamente oder psychische Belastungen eine Rolle spielen. Dazu gehören etwa Depressionen, Beziehungskonflikte oder finanzieller Stress.
Warum können Erektionsstörungen ein Warnsignal. für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein?
Die Gefässe müssen sich erweitern können, damit genügend Blut in den Penis strömt. Sind sie geschädigt oder durch Ablagerungen verengt, funktioniert das schlechter. Dieselben Gefässprobleme können auch Bluthochdruck und Erkrankungen der Herzkranzgefässe begünstigen. Da die Gefässe im Penis kleiner sind als die Herzkranzgefässe, machen sich Durchblutungsprobleme dort meist früher bemerkbar. Älteren Patienten, deren Erektionsstörungen auf Gefässprobleme zurückzuführen sind, empfehle ich deshalb eine kardiologische Abklärung.
Wie lassen sich Erektionsprobleme behandeln?
In erster Linie gilt es, die Risikofaktoren zu reduzieren: nicht rauchen, weniger Alkohol trinken, mehr Sport treiben, auf die Ernährung achten. Dadurch werden geschädigte Gefässe nicht wieder gesund, aber es hilft, dass sie nicht weiter Schaden nehmen. Im nächsten Schritt geht es um die Symptombekämpfung – darum, die Erektionsfähigkeit wieder zu verbessern.
Wie gelingt das?
Uns stehen mehrere Ansätze zur Verfügung. Eine Möglichkeit ist die Vakuumpumpe, die über den Penis gestülpt wird. Der Vorteil ist, dass weder eine Operation noch Medikamente nötig sind. Weiter gibt es die «blauen Pillen», welche die Gefässe erweitern und so die Erektion unterstützen – Viagra ist die bekannteste, mittlerweile gibt es aber verschiedene Präparate. Reicht das nicht aus, können Medikamente direkt in den Schwellkörper gespritzt werden. Als letzte Option kann eine Penisprothese implantiert werden.



