«Meine Auftritte motivieren mich fit zu bleiben»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 22. Oktober 2026
(Maja Brunner, 75, ist Sängerin, Musikerin und Schauspielerin. Sie lebt in Schindellegi SZ)
Das Älterwerden bringt Herausforderungen, aber auch neue Freiheiten mit sich. Die Entertainerin Maja Brunner sagt, wie sie damit umgeht und was ihr wichtig ist.
Maja Brunner, hätten Sie früher gedacht, dass Sie mit 75 noch auf der Bühne stehen?
Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Generell hat mich das Älterwerden nie gross gekümmert, weil ich – und dafür bin ich sehr dankbar – stets gesund war und noch immer bin. Ich dachte nur, dass man mit dem Alter ruhiger und gelassener wird.
Ist das nicht so?
Ich habe diese bekannte Altersgelassenheit noch nicht. Vor allem, was den Beruf betrifft: Ich will meinen Job nach wie vor gut machen und bin vor Auftritten noch immer nervös. Mein Anspruch an mich selbst ist gross. Ich möchte nicht, dass es plötzlich heisst: «Jetzt sollte sie langsam aufhören.» Ich hoffe, das merke ich dann selbst.
Was gefällt Ihnen am Älterwerden?
Ich traue mich viel mehr, zu sagen, was ich denke. Das kommt zwar nicht immer gut an. Aber man geht in seinem Leben lange genug Kompromisse ein – weil es im Beruf oder auch privat manchmal nötig ist. Heute finde ich: In meinem Alter darf ich ehrlich sein. Ich umgebe mich auch nicht mehr mit Menschen, die mir nicht sympathisch sind, und gehe nicht mehr an Anlässe, auf die ich keine Lust habe. Das ist befreiend.
Wann merken Sie, dass Sie nicht mehr 20 sind?
Wenn ich bei 38 Grad auf der Bühne stehe, singe und tanze. In diesem heissen Sommer kam ich an meine Grenzen – aber ich habe Gott sei Dank jeden Auftritt gemeistert. Auch sonst würde ich lügen, wenn ich behaupten würde: «Ich merke gar nichts.» Stehe ich nach langem Sitzen auf, spüre ich die Hüfte. Dann sage ich mir: «Lächeln, Schultern zurück und gerade laufen. Jammern kannst du zu Hause.»
Was tun Sie, um geistig und körperlich fit zu bleiben?
Ich lerne ständig neue Lieder und Texte. Das hält das Gehirn auf Trab. Verstehe ich in einem Zeitungsartikel ein Wort nicht, google ich es oder frage die KI. Ich will am Ball bleiben und möglichst lange selbständig sein. Zudem motivieren mich meine Auftritte, körperlich fit zu bleiben. Ich mag keine Fitnesscenter, aber ich gehe täglich eineinhalb Stunden zügig spazieren. Darüber hinaus ernähre ich mich gesund, rauche seit 20 Jahren nicht mehr, trinke keinen Alkohol und achte auf genug Schlaf.
Welchen Rat geben Sie Menschen, damit es ihnen möglichst lange gut geht?
Ich glaube, eine positive Einstellung ist sehr wertvoll. Wir sollten dankbar dafür sein, was wir haben, und nicht ständig denken: «Der andere hat noch mehr.»



