Schweizer Familie

«Wir wollen Mut und Zuversicht geben»

«Wir wollen Mut und Zuversicht geben»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 29. Oktober 2026

(Symbolbild: iStock)

Brustkrebs verändert das Leben und wirft viele Fragen auf. Was Betroffenen hilft und wo die Schweiz Nachholbedarf hat, erklärt die Expertin Christina Christen.

Christina Christen ist Präsidentin von Europa Donna Schweiz.

Christina Christen, Sie sind Präsidentin von Europa Donna Schweiz und Gründerin von Tavola Rosa Zürich. Was ist das genau?
Europa Donna ist die grösste Patientenorganisation, die sich für Frauen mit Brustkrebs einsetzt. Tavola Rosa ist ein Angebot von uns, damit sich Betroffene in jedem Krebsstadium austauschen können. Wir treffen uns immer am letzten Freitag im Monat und unternehmen etwas zusammen. Die Atmosphäre soll ungezwungen sein. Wir wollen Mut und Zuversicht geben und ein Gemeinschaftsgefühl schaffen.

Welche Ängste plagen Frauen mit Brustkrebs?
Viele fürchten sich davor, wie es im Job weitergeht. Zudem stellen sich Fragen zur Behandlung: Wie vertrage ich die Chemotherapie? Wie schlimm ist meine Diagnose, wie hoch sind meine Überlebenschancen? In dieser Phase ist der Austausch mit Frauen, die die Behandlung bereits hinter sich haben, sehr wertvoll. Ich habe meine Diagnose 2004 erhalten und war damals dankbar für den Kontakt zu anderen Betroffenen.

Abgesehen davon: Was hilft, um während der Therapie emotional stabil zu bleiben?
Geht es einer Frau psychisch nicht gut, rate ich, die Psychoonkologie in Anspruch zu nehmen. Fachpersonen helfen, mit den emotionalen Folgen der Erkrankung umzugehen. Mittlerweile gibt es dieses Angebot in allen grossen Brustzentren.

Manchmal muss die Brust wegen des Tumors entfernt werden. Was macht das mit den Frauen?
Einige sind erleichtert, weil sie eine Rückkehr des Tumors fürchten. Andere haben Mühe, weil ihnen ein Körperteil entfernt wird. Das ist sehr individuell. Die meisten Frauen entscheiden sich für einen Wiederaufbau der Brust – entweder mit Eigenfettgewebe oder Silikon. Es kann vorkommen, dass das Silikon- Implantat als Fremdkörper empfunden wird. Dann besteht die Herausforderung darin, den neuen Körper wieder lieben zu lernen. Auch hier können der Austausch mit Betroffenen oder die Psychoonkologie unterstützen.

Was wünschen Sie sich für Frauen mit Brustkrebs?
Mein Ziel ist in jedem Kanton eine Tavola Rosa als Anlaufstelle. Eine Herzensangelegenheit ist zudem ein flächendeckendes, qualitätsgesichertes Mammografie- Screening – ein standardisiertes, franchisebefreites Programm zur Früherkennung von Brustkrebs. Alle Frauen sollen unabhängig vom Wohnort die gleichen Chancen auf eine frühe Diagnose haben.

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