«Ein regelmässiger Rhythmus fördert den Schlaf»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 15. Oktober 2026
(Symbolbild: iStock)
Schlafstörungen sind verbreitet und wirken sich auf unsere Gesundheit aus. Wann man handeln sollte und was hilft, sagt der Schlafforscher Corrado Garbazza.

Corrado Garbazza ist Schlafmediziner am Zentrum für Chronobiologie der UPK Basel.
Corrado Garbazza, viele Menschen schlafen gelegentlich schlecht. Wann sollte man etwas tun?
Gelegentlich schlecht zu schlafen, ist normal. Abklären sollte man Schlafprobleme, wenn sie häufiger auftreten, länger anhalten und den Alltag beeinträchtigen. Eine der häufigsten Schlafstörungen ist die chronische Insomnie. Sie liegt vor, wenn Ein- und Durchschlafstörungen oder zu frühes Erwachen mindestens dreimal pro Woche über mindestens drei Monate auftreten und die Betroffenen dadurch tagsüber beeinträchtigt sind.
Welche Folgen hat das?
Zunächst Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und eine verminderte Leistungsfähigkeit. Längerfristig ist eine chronische Insomnie mit einem erhöhten Risiko für psychische sowie körperliche Erkrankungen verbunden, insbesondere für Herz- Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen.
Angenommen, man schläft nur an manchen Tagen schlecht. Welche Massnahmen helfen?
Eine gute Schlafhygiene. Dazu gehören ein regelmässiger Schlaf-Wach-Rhythmus, ein ruhiger Übergang in die Nacht sowie möglichst wenig intensives Licht und anregende Aktivitäten vor dem Schlafengehen. Regelmässige Bewegung tagsüber fördert hingegen den Schlaf.
Was raten Sie, wenn das nichts nützt?
Sich an ein Schlafzentrum zu wenden. Dort arbeiten Fachpersonen aus verschiedenen medizinischen Disziplinen zusammen, um den Ursachen der Schlafstörung auf den Grund zu gehen. Auf klassische Schlafmittel wie Benzodiazepine und verwandte Substanzen sollte man verzichten und sie höchstens zeitlich begrenzt einsetzen. Es besteht das Risiko einer Toleranzentwicklung und Abhängigkeit.
Was halten Sie von pflanzlichen Präparaten?
Pflanzliche Präparate wie Baldrian können unterstützend eingesetzt werden – etwa bei leichter Unruhe oder Stress. Bei einer ausgeprägten oder chronischen Insomnie reichen sie als alleinige Behandlung in der Regel nicht aus. Hier gilt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als Therapie erster Wahl.
Und Medikamente kommen nie zum Einsatz?
Sie können je nach Situation sinnvoll sein. Welche in Frage kommen, hängt vom Patienten ab. Neben zeitlich begrenzt eingesetzten klassischen Schlafmitteln stehen neu auch Medikamente zur Verfügung, die ein System im Gehirn dämpfen, das die Wachheit fördert.



