Schweizer Familie

«Die Traumatherapie ist sehr wirksam»

«Die Traumatherapie ist sehr wirksam»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 17. September 2026

(Symbolbild: iStock)

Traumatische Situationen wirken oft lange nach. Wie Betroffene Abstand gewinnen zum Erlebten, sagt die Psychotherapeutin Daniela Wetzel-Richter.

Daniela Wetzel-Richter, Ärztin für Psychosomatische Medizin, Klinik Schützen Rheinfelden.

Daniela Wetzel-Richter, was ist eine posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS?
Gemäss Definition müssen drei Hauptsymptome vorliegen: Das erste sind Flashbacks, die durch einen Reiz ausgelöst werden. Es fühlt sich an, als würde man die schlimme Situation nochmals erleben. Das zweite ist eine Übererregung: Die betroffene Person ist angespannt und schläft schlecht. Das dritte ist die Vermeidung von Situationen, die im Zusammenhang mit dem traumatischen Erlebnis stehen.

Was löst eine PTBS aus?
Einer PTBS liegt immer eine überwältigende Erfahrung zugrunde. Das können Unfälle oder medizinische Behandlungen wie bei einer schwierigen Geburt sein. Auch das Erleben von sexuellen Übergriffen und Gewalterfahrungen sind häufige Auslöser.

Wie kann eine PTBS therapiert werden?
Eine wichtige Voraussetzung für die sogenannte konfrontierende Traumatherapie ist Sicherheit im Alltag – dass etwa kein Kontakt mehr zur Täterschaft besteht und gelernt wurde, mit heftigen Gefühlen umzugehen. Erst dann kann die spezifische Traumatherapie beginnen. Eine sehr effektive Methode ist die EMDRTherapie.

Wie funktioniert sie?
Die Betroffenen müssen sich bewusst mit dem Erlebten konfrontieren. Nach eingehender Vorbereitung werden ein Bild, ein Gefühl, ein Körpergefühl und ein Satz festgelegt, die an die schlimme Situation erinnern. Während die Betroffenen in die Erinnerung gehen, werden sie von der Fachperson zu Augenbewegungen nach rechts und links angeleitet. Durch mehrere solche Stimulationen verändert sich das Denken, und es wird Abstand zum Erlebten gewonnen.

Weshalb helfen die Augenbewegungen?
Eine Studie sagt, dass die Linksrechts- Stimulation die Vagus- Aktivität erhöht. Das beruhigt und hilft bei der Verarbeitung. Abschliessend ist das noch nicht erforscht. Man weiss aber, dass die Methode sehr wirksam ist.

Wie hoch sind die Erfolgschancen?
Das hängt von der Traumafolgestörung ab. Wurde jemand jahrelang misshandelt, dauert die Therapie länger und braucht Vorbereitung. Bei einer einmaligen Traumatisierung wie nach einem Unfall liegen die Heilungschancen nach wenigen Sitzungen bei 80 bis 90 Prozent. Wichtig ist, dass nur ausgebildete Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dieses Verfahren anwenden.

emdr-ch.org

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