«Über 80 Prozent heilen ohne OP»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 8. Oktober 2026
(Symbolbild: iStock)
Ein Bandscheibenvorfall bremst viele mitten im Leben aus. Wie eine Prothese die Wirbelsäule schont und wann der Eingriff sinnvoll ist, sagt der Chirurg Mazda Farshad.

Mazda Farshad ist Chefarzt und medizinischer Direktor der Universitätsklinik Balgrist.
Mazda Farshad, wann kommt es zu Problemen mit der Bandscheibe?
Meist sind Bandscheibenprobleme Abnutzungserscheinungen. Rund 70 Prozent sind genetisch oder durch das Alter bedingt, 30 Prozent können wir durch unseren Lebensstil, etwa Bewegung und Aufbau der Rumpfmuskulatur, beeinflussen. Je nach Lebensphase treten unterschiedliche Beschwerden auf: Im mittleren Alter ist der Bandscheibenvorfall besonders häufig.
Was passiert dabei?
Die Bandscheibe besteht aus einem Faserring und einem gelartigen Kern. Ab einem gewissen Alter wird der Faserring rissig. Ist der Kern noch prall, kann er durch solche Risse nach aussen treten. Liegt der Vorfall in der Nähe eines Nervs, drückt er darauf und verursacht Beschwerden.
Wie wird ein Bandscheibenvorfall therapiert?
Über 80 Prozent der Bandscheibenvorfälle können konservativ behandelt werden – vorausgesetzt, es treten keine neurologischen Symptome wie Lähmungen oder Blasenentleerungsstörungen auf. In der Regel gibt man dem Körper sechs bis acht Wochen Zeit und kombiniert dies mit Physiotherapie und Entzündungshemmern. Schlägt das nicht an, gibt es operative Möglichkeiten, um die Nervenstrukturen zu befreien.
Wann ist eine Bandscheibenprothese nötig?
Eine Prothese kommt dann in Frage, wenn der Nerv nicht ausreichend befreit werden kann, ohne dass dabei zu viel von der Bandscheibe entfernt wird. Sie kann auch sinnvoll sein, wenn die Bandscheibe stark abgenutzt ist und man sie im Rahmen des Eingriffs ersetzen möchte. Das betrifft hauptsächlich die Halswirbelsäule. An der Lendenwirbelsäule reicht die reine Nervenbefreiung in den meisten Fällen aus.
Wie erfolgreich ist der Einsatz einer Bandscheibenprothese?
Die Erfolgsquote liegt bei über 90 Prozent. Ist die Prothese gut eingeheilt, können die Betroffenen nach drei bis sechs Monaten wieder uneingeschränkt Sport treiben.
Ist das Risiko erhöht, dass es später an einer anderen Stelle zu einem Bandscheibenvorfall kommt?
Grundsätzlich hat jede Bandscheibe ihr eigenes Risiko für einen Vorfall. Eine Bandscheibenprothese soll die natürliche Beweglichkeit der Wirbelsäule möglichst erhalten und dadurch die Nachbarbandscheiben weniger zusätzlich belasten. Bei einer Versteifung kann die Belastung der benachbarten Bandscheiben allerdings zunehmen.



