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Schweizer Familie

«Lungenhochdruck bleibt oft lange unerkannt»

«Lungenhochdruck bleibt oft lange unerkannt»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 11. Juni 2026

(Symbolbild: iStock)

Eine Verengung der Lungengefässe ist eine seltene, aber ernsthafte Krankheit. Bei Verdacht sollte man ein spezialisiertes Zentrum aufsuchen, sagt die Pneumologin Silvia Ulrich.

Silvia Ulrich ist Direktorin der Klinik für Pneumologie am Unispital Zürich.

Silvia Ulrich, was passiert bei Lungenhochdruck?
Die Lungengefässe verengen sich, und das Blut gelangt schwerer durch die Lunge. Dadurch kann das Herz weniger Blut durch den Körper pumpen. Das ist hauptsächlich während körperlicher Belastung ein Problem.

Wie zeigt sich Lungenhochdruck?
Typisch ist Atemnot bei physischer Anstrengung. Viele erhalten die Diagnose erst spät, weil sie im Ruhezustand keine Symptome zeigen. Bei Verdacht sollte die Abklärung in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Dort kann unter anderem mit einem sogenannten Rechtsherzkatheter der Druck in den Lungengefässen gemessen und die Diagnose gestellt werden.

Wer ist besonders gefährdet, an Lungenhochdruck zu erkranken?
Bei einer pulmonalen arteriellen Hypertonie – einer Erkrankung, bei der das Problem in den Lungengefässen liegt – ist die Ursache unbekannt. Es gibt jedoch verschiedene Krankheiten und Zustände, die das Risiko erhöhen können. Beispielsweise eine genetische Veranlagung, Erkrankungen des Bindegewebes, des Herzens oder der Lunge sowie Infektionskrankheiten wie HIV. Besonders oft sind junge Frauen betroffen.

Wie wird Lungenhochdruck therapiert?
Es gibt heute fünf Kategorien von Medikamenten, die spezifisch helfen, indem sie die Lungengefässe öffnen und die Pumpleistung des Herzens verbessern. In seltenen Fällen ist eine Lungentransplantation nötig.

Wurden Fortschritte bei der Behandlung erzielt?
Ja, sehr grosse. Vor zwei Jahren ist etwa ein Medikament auf den Markt gekommen, das alle drei Wochen in das Unterhautfettgewebe gespritzt wird und sehr gut wirkt. Früher starben viele Patientinnen und Patienten wenige Jahre nach der Diagnosestellung. Heute können die meisten Jahre bis Jahrzehnte gut mit der Krankheit leben.

Bleibt die Lebensqualität trotz der Medikamente eingeschränkt?
Ja, das ist oft der Fall. Es gibt Betroffene, die keiner Arbeit nachgehen können – selbst wenn es ein Bürojob ist. Etwa, weil sie nicht in der Lage sind, zum Arbeitsplatz zu gelangen, da bereits einige Treppenstufen hochsteigen ein Problem darstellen kann. Viele sind zudem sozial isoliert, weil sie nicht die Kraft haben, an Anlässen teilzunehmen. Unser Ziel ist es aber, die Lebensqualität der Betroffenen mit modernen Medikamenten zu erhöhen.

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