«Herzkrankheiten zeigen sich bei Frauen anders»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 23. April 2026
(Symbolbild: iStock)
Bestimmte Erkrankungen des Herzens treten bei Frauen häufiger auf. Tückisch ist, dass sie sich weniger eindeutig äussern, sagt Kardiologin Christine Meyer-Zürn.

Christine Meyer-Zürn, leitet die Frauenherzsprechstunde am Unispital Basel.
Christine Meyer-Zürn, wie unterscheiden sich Frauen und Männerherzen?
Neben anatomischen Unterschieden – Frauenherzen sind in der Regel kleiner und die Gefässe feiner – gibt es auch Unterschiede bei Symptomen, Risikofaktoren sowie bei der Diagnostik und Therapie von Herzkrankheiten. Zudem äussern sich Herzkrankheiten bei Frauen oft weniger typisch, und bestimmte Erkrankungen treten häufiger auf.
Welche sind das?
Zum Beispiel die mikrovaskuläre Dysfunktion – eine Durchblutungsstörung in den kleinsten Herzkranzgefässen, die mit einer klassischen Herzkatheter- Untersuchung nicht erkennbar ist. Auch die Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion kommt bei Frauen häufiger vor als bei Männern.
Wie äussert sich diese?
Sie macht sich meist mit Atemnot bemerkbar, was von den Betroffenen gerne als normales Zeichen für mangelndes Training oder den Alterungsprozess missinterpretiert wird. Eine Erkrankung, die typischerweise jüngere Frauen betrifft, ist zudem die spontane Koronardissektion. Dabei kommt es durch Hormonveränderungen zu einem Einriss in den Herzkranzgefässen. Vom sogenannten Broken-Heart-Syndrom – einer kurzfristigen Einschränkung der Herzfunktion nach einem starken emotionalen Ereignis – sind sogar zu 90 Prozent Frauen betroffen.
Bei welchen Symptomen sollten Frauen ihre Herzgesundheit abklären lassen?
Bei Schmerzen im Brustbereich – vor allem, wenn sie sich bei körperlicher Belastung verschlimmern und danach wieder abklingen. Auch unspezifische Symptome wie Atemnot, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Schmerzen im Kiefer oder Nacken können auf eine Erkrankung des Herzens hinweisen. Zudem rate ich Frauen nach Schwangerschaftskomplikationen sowie um die Zeit der Menopause, ihr Herz untersuchen zu lassen. Beides sind Risikofaktoren für Herz- Kreislauf-Erkrankungen.
Was sind die wichtigsten Fortschritte, die in den letzten Jahren in der Forschung zu Frauenherzen erzielt wurden?
Lange wurden die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerherzen in der Forschung kaum beachtet. Mittlerweile wurde das Bewusstsein dafür geschärft, dass Frauenherzen nicht einfach kleinere Männerherzen sind. Es wurden spezialisierte Frauenherzzentren gegründet sowie Forschungsprojekte lanciert, die explizit Herzerkrankungen bei Frauen untersuchen.



