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Schweizer Familie

«Manche erholen sich erstaunlich gut»

«Manche erholen sich erstaunlich gut»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 15. Mai 2025

(Symbolbild: iStock)

Ein Schlaganfall ist ein Notfall – je schneller die Behandlung, desto besser. Doch auch später sind dank Reha grosse Fortschritte möglich, sagt der Neurologe Nicolaus Michael.

Nicolaus Michael, was geschieht im Gehirn bei einem Schlaganfall?
Es gibt zwei Formen, die man im Volksmund als Schlaganfall bezeichnet: Meist handelt es sich um einen Hirninfarkt. Dabei verstopft ein Blutgerinnsel eine Arterie, sodass zu wenig Blut und Sauerstoff ins Gehirn gelangen. Deutlich seltener liegt dem Schlaganfall eine Hirnblutung zugrunde. Das heisst, eine Arterie platzt, und es fliesst Blut ins Hirngewebe.

Welche Faktoren begünstigen einen Schlaganfall?
Das sind unter anderem ein hoher Blutdruck, Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht. Das Risiko für einen Hirninfarkt steigt zudem durch Herz-Rhythmus- Störungen und Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, jenes für eine Hirnblutung durch Blutgerinnungsstörungen.

Nicolaus Michael, Chefarzt Neurologie und Rehabilitation, Rehazentrum Valens.

Früherkennung ist wichtig. Woran erkennt man einen Schlaganfall?
Das hängt davon ab, welches Hirnareal betroffen ist. Häufige Symptome sind eine halbseitige Lähmung, einseitige Taubheitsgefühle, Seh- und Sprechstörungen. Weitere Beschwerden sind Schwindel, bei Blutungen auch Kopfschmerzen. Gemeinsam haben alle Symptome, dass sie plötzlich – eben schlagartig – auftreten.

Wann weiss man, welche Schäden ein Schlaganfall verursacht hat?
Eine erste Einschätzung treffen Fachpersonen meist anhand der körperlichen Untersuchung sowie der Computer- oder Magnetresonanztomografie. Doch was den weiteren Verlauf betrifft, ist anfangs vieles offen. Manche Patientinnen und Patienten erholen sich sogar von einem schweren Schlaganfall erstaunlich gut.

Nach dem Spital folgt meist die Reha. Woran wird gearbeitet?
Das ist sehr individuell. Zunächst klären wir, was im Alltag besonders wichtig ist und welche Fähigkeiten dafür trainiert werden müssen. Darauf basierend stellen wir ein Therapieprogramm zusammen – etwa mit Logopädie, Physio-, Ergooder Psychotherapie.

Wie lange können Betroffene Fortschritte erzielen?
Ein Rehabilitations-Aufenthalt nach einem Schlaganfall dauert im Schnitt einen Monat. Danach werden Therapien oft ambulant fortgesetzt – und der Zustand verbessert sich weiter. Denn das Gehirn kann neue Verbindungen zwischen Nervenzellen bilden. Verlorene Funktionen lassen sich teilweise wiedererlangen – Fortschritte sind sogar noch Jahre nach dem Schlaganfall möglich.

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