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Schweizer Familie

«Frauen leiden an anderen Symptomen als Männer»

«Frauen leiden an anderen Symptomen als Männer»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 8. Mai 2025

(Symbolbild: iStock)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen sich bei Frauen oft anders als bei Männern. Das erschwert Diagnose und Behandlung, erklärt Kardiologin Christine Stefanie Meyer-Zürn.


Christine Stefanie Meyer- Zürn, weshalb erkennt man Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen oft später als bei Männern?

Unter anderem, weil sie sich bei Frauen mit anderen Symptomen zeigen können. Bei einem Herzinfarkt haben Männer in der Regel die klassischen Beschwerden wie Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen. Frauen hingegen leiden häufig an Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit. Deshalb vermuten Betroffene und auch Fachpersonen oft ein anderes gesundheitliches Problem. Zudem leiden Frauen häufiger an Formen von Herzerkrankungen, die schwierig zu diagnostizieren sind.

Welche sind das?
Beispielsweise die mikrovaskuläre Dysfunktion – eine Durchblutungsstörung in den kleinsten Herzkranzgefässen. Bei einer klassischen Herzkatheter-Untersuchung sind sie nicht sichtbar Ausserdem haben Frauen oft eine Herzmuskelschwäche mit erhaltener Pumpfunktion, die sich mit Atemnot bemerkbar macht. Viele Frauen denken, das habe nichts mit dem Herz zu tun, sondern sei ein Zeichen für mangelndes Training oder fürs Älterwerden, und suchen darum erst spät ärztliche Hilfe auf.

Christine Stefanie Meyer-Zürn ist Oberärztin Kardiologie am Unispital Basel.

Welche Folgen hat das späte Erkennen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Eine verspätete Diagnose bedeutet meist eine schlechtere Prognose und mehr bleibende Schäden am Herz. Eine neue Studie aus unserem Unispital zeigt, dass Frauen in der Schweiz nach einem Herzstillstand schlechtere Überlebenschancen haben.

Sie wirken diesem Ungleichgewicht mit einer Frauenherzsprechstunde entgegen.
Genau, wir fokussieren uns auf Erkrankungen, die bei Frauen häufig, aber unterdiagnostiziert sind. Dank modernster Methoden können wir beispielsweise die kleinsten Herzkranzgefässe untersuchen. Auch Frauen mit Wechseljahrbeschwerden kommen vor einer Hormontherapie zu uns, um ihr Risiko für Herz- Kreislauf-Erkrankungen einschätzen zu lassen. Zudem sind wir in der Forschung und der Aufklärung aktiv.

Inwiefern?
In der Forschung wurden lange überwiegend Männer berücksichtigt und die Erkenntnisse auf Frauen übertragen. Frauen benötigen aber eine andere Versorgung. Wir setzen uns unter anderem dafür ein, geschlechtersensible Medizin stärker in die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen zu integrieren. 

 

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