«Möglichst nicht überfordern»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 21. Mai 2026
(Symbolbild: iStock)
Menschen mit Demenz benötigen im Umgang viel Geduld und ein gutes Gespür. Entscheidend ist dabei auch eine klare Kommunikation, sagt die Expertin Cornelia Rüther.

Cornelia Rüther ist Fachspezialistin Demenz und Palliative Care bei Tertianum.
Cornelia Rüther, welche ersten Symptome weisen auf Demenz hin?
Die ersten Symptome sind in der Regel kognitive Veränderungen wie eine Vergesslichkeit, die über die normale altersbedingte Vergesslichkeit hinausgeht. Wenn zum Beispiel immer wieder die gleiche Frage gestellt wird, kann das ein Warnsignal sein.
Worauf sollte man im Gespräch mit Menschen mit Demenz achten?
Man sollte sie nicht mit dem konfrontieren, was sie nicht mehr können. Wird die gleiche Frage mehrmals gestellt, reicht es, sie erneut zu beantworten. Zudem empfiehlt es sich, keine zu komplexen Fragen zu stellen und eher geschlossene statt offene. Es hilft Betroffenen, wenn sie nur mit Ja oder Nein antworten können.
Wie soll man mit Betroffenen kommunizieren, die nicht mehr sprechen können?
Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Kommunikation über Wörter tatsächlich oft nicht mehr möglich. Die Gefühlsebene bleibt aber erhalten. Man kann auch kommunizieren, indem man die Hand hält und präsent ist. Diese nonverbale Kommunikation ist sehr wertvoll. Wichtig ist auch, nie negativ über Menschen mit Demenz zu sprechen, wenn sie anwesend sind. Sie verstehen vielleicht nicht, was wir sagen, spüren aber unsere Emotionen.
Was raten Sie, wenn eine Person mit Demenz im Sommer mit der Jacke oder im Winter mit Shorts nach draussen möchte
Dann kann man sagen: «Schau mal aus dem Fenster, es liegt Schnee.» Oder man zeigt das Thermometer. Im schlimmsten Fall kann man den Menschen auch kurz mit ungeeigneter Kleidung nach draussen lassen – er spürt in der Regel die Kälte oder Wärme und kann dann entsprechende Kleidung anziehen.
Muss man die Wohnung speziell einrichten, wenn man mit einem dementen Menschen zusammenlebt?
Man sollte versuchen, sie möglichst reizarm zu gestalten. Das heisst, keine üppigen Dekorationen und nicht zu viele Bilder, da dies überfordernd wirken kann. Zudem sollten während Gesprächen weder Radio noch Fernseher im Hintergrund laufen. Menschen mit Demenz können diese Geräusche schwer ausblenden.
Darf man Menschen mit Demenz Aufgaben geben?
Ja, das ist sogar sinnvoll. Sie möchten weiterhin Teil der Gesellschaft sein und etwas beitragen. Wichtig ist jedoch, sie nicht zu überfordern und ausreichend Zeit für das Erledigen der Aufgaben einzuplanen.



