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Schweizer Familie

«Betroffene lernen, Grenzen zu setzten»

«Betroffene lernen, Grenzen zu setzten»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 7. Mai 2026

(Symbolbild: iStock)

Ein Burn-out ist ein Zustand der Erschöpfung, der sich schleichend entwickelt. Häufige Anzeichen sind Herzklopfen und Schlafprobleme, sagt die Psychiaterin Katharina Gessler.

Katharina Gessler ist Direktorin der Klinik Schützen in Rheinfelden AG.

Katharina Gessler, wie kommt es zu einem Burnout?
Ein Burn-out steht im Zusammenhang mit der beruflichen Situation. Die klassische Risikokonstellation ist eine Kombination aus hohen Anforderungen und dem Gefühl, wenig bewirken zu können. Hinzu kommen individuelle Faktoren wie eine grosse Leistungsbereitschaft sowie weitere Arbeitsplatzfaktoren. Menschen, die im Job emotionale Arbeit leisten müssen, zum Beispiel Telefonistinnen oder Ärztinnen, haben ein höheres Risiko, einen Burn-out zu bekommen.

Wie macht sich ein Burn-out bemerkbar?
Ein erstes Anzeichen ist ein übermässiger Einsatz mit vielen Überstunden. In dieser Phase können bereits Erschöpfung sowie körperliche Symptome wie Herzklopfen, Schwitzen und schlechter Schlaf auftreten. Im weiteren Verlauf kommt es oft zu einer reduzierten Leistungsfähigkeit, einer negativen Einstellung gegenüber der Arbeit und emotionaler Erschöpfung.

Ab wann sollte man sich Hilfe suchen?
So früh wie möglich. Ein Burnout verläuft in einem Prozess. Je länger dieser Prozess dauert, desto länger ist die Erholungsphase und desto grösser ist das Risiko, dass der Burn-out in eine Depression oder eine Angststörung übergeht. Spätestens bei Erschöpfung, Schlafproblemen und zynischen Gedanken gegenüber der Arbeit sollte man mit dem Arbeitgeber sprechen. Wenn sich nichts verbessert, ist professionelle Hilfe ratsam.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Ein Burn-out kann ambulant oder stationär behandelt werden, in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, einer Psychotherapeutin oder bei ausgeprägten körperlichen Symptomen mit einem Psychiater. Bei starker Erschöpfung oder einer Depression ist oft ein stationärer Aufenthalt sinnvoll. Dort lernen Betroffene, den Körper und das Nervensystem zu stabilisieren und Grenzen zu setzen. Zudem werden biografische Hintergründe aufgearbeitet und Entspannungstechniken vermittelt.

Wie gross ist die Gefahr eines Rückfalls?
Die grösste Herausforderung ist die Anfangszeit. Es kann mehrere Monate dauern, bis Betroffene vollständig regeneriert sind – oft länger, als ein Klinikaufenthalt dauert. Das heisst, Regeneration und Rückkehr in den Alltag überlappen sich. Hat man genug Vorbereitungen getroffen und gelernt, auf regelmässige Erholung zu achten, funktioniert das meistens gut.

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