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Schweizer Familie

«Betroffene müssen Nachts mehrmals aufstehen»

«Betroffene müssen Nachts mehrmals aufstehen»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 4. September 2025

(Symbolbild: iStock)

«Unruhige Beine» klingt harmlos, doch das Restless-Legs-Syndrom belastet enorm. Entscheidend ist, das richtige Medikament zu finden, sagt der Neurologe Johannes Mathis.

Johannes Mathis, mit welchen Symptomen zeigt sich das Restless-Legs- Syndrom?
Mit einem starken Bewegungsdrang, meist verbunden mit Gefühlsstörungen in den Beinen, die von Betroffenen etwa als Kribbeln oder Ziehen beschrieben werden. Der Bewegungsdrang tritt hauptsächlich im Sitzen oder Liegen auf und meist gegen Abend. Durch Bewegung verschwinden die Symptome, jedoch nicht dauerhaft. Betroffene sind oft mehrmals pro Nacht gezwungen, aufzustehen.

Johannes Mathis, Praxis für Schlafmedizin, Neurozentrum Bern.

Ist die Ursache bekannt?
Am häufigsten ist es genetisch bedingt. Dann spricht man von der idiopathischen Form, die bereits in jungen Jahren ausbrechen kann. Auch Eisenmangel kann eine Ursache sein, seltener Nieren-, Zucker- oder Nervenkrankheiten.

Wer ist besonders häufig vom Syndrom betroffen? Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Besonders Mütter: Nach einer Geburt verdoppelt sich das Risiko. Insgesamt leiden 5 bis 6 Prozent der Frauen am Restless-Legs- Syndrom, aber nur etwa 3 Prozent der Männer. Ist es nicht genetisch bedingt, tritt es meist erst nach dem 60. Lebensjahr zusammen mit anderen Krankheiten auf.

Wie lässt sich das Restless- Legs-Syndrom behandeln?
Bei Eisenmangel kann man diesen ausgleichen, und dann verschwinden die Beschwerden idealerweise. Oft müssen die Symptome mit Medikamenten behandelt werden. Werden diese länger verabreicht, können gerade dopaminhaltige die Beschwerden verschlimmern, während Medikamente ohne Dopamin Nebenwirkungen wie Übergewicht begünstigen. Man muss also genau abwägen, welches für wen das passende ist.

Gibt es nichtmedikamentöse Massnahmen, die Betroffenen helfen?
Neben Bewegung hilft es vielen, die Füsse vor dem Schlafengehen kalt abzuduschen. Auch das Dehnen der Muskeln kann vorübergehend Linderung bringen. Viele haben zudem eigene Tricks – ein Austausch in Selbsthilfegruppen lohnt sich.

Kann man dem Restless- Legs-Syndrom vorbeugen?
Frauen sollten in der Schwangerschaft den Eisenwert im Auge behalten. Gegen das genetisch bedingte Syndrom lässt sich nichts tun. Tritt es als Folge von anderen Krankheiten auf, kann man mit einem gesunden Lebenswandel entgegenwirken.

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