«Eine Operation ist selten nötig»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 1. Oktober 2026
(Symbolbild: iStock)
Hüftschmerzen betreffen viele ältere Menschen. Häufig steckt eine abgenutzte Sehne dahinter. Wie man sie behandelt, sagt der Hüftchirurg Armando Hoch.

Armando Hoch ist Leitender Arzt für Hüftchirurgie an der Universitätsklinik Balgrist.
Armando Hoch, worum handelt es sich bei einer degenerativen Sehnenerkrankung an der Hüfte?
Eine Sehne verbindet Muskeln und Knochen. Über sie findet die Kraftübertragung statt: Der Muskel zieht sich zusammen, erzeugt Zug auf die Sehne, und diese bewegt schliesslich das Skelett. Mit dem Alter wird die Sehne spröde, und es kann zu Teilrissen kommen, sodass sie nicht mehr gänzlich am Knochen befestigt ist. Das führt zu Schmerzen, weil sich die Sehne entzündet.
Wie häufig ist das?
Sehr häufig, und es ist für die Patientinnen und Patienten extrem einschränkend. Am häufigsten betroffen sind ältere Menschen, Frauen öfter als Männer, und Übergewicht ist ein Risikofaktor.
Welches sind die Ursachen einer degenerativen Sehnenerkrankung?
In den meisten Fällen entsteht sie im Rahmen des normalen Alterungsprozesses durch Abnutzung. Unfälle oder Operationen sind nur selten die Ursache.
Welche Folgen kann eine degenerative Sehnenerkrankung haben?
In erster Linie führt sie zu Schmerzen bei Aktivität – vor allem an der Aussenseite der Hüfte, zum Beispiel beim Treppensteigen oder beim Bergauflaufen. Schont man sich deshalb, lässt die Muskelkraft nach. Im schlimmsten Fall ziehen sich die Betroffenen völlig zurück. Diese Isolation ist im Alter verheerend.
Und was passiert mit den Sehnen selbst, wenn man sie nicht behandelt?
Neben den Teilrissen kann sich auch der benachbarte Schleimbeutel entzünden. Das führt zu Schmerzen, die unabhängig von Aktivität vorhanden sind – vor allem, wenn Betroffene nachts auf der Seite liegen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die erste Massnahme sind entzündungshemmende Medikamente und Physiotherapie. Letztere ist entscheidend für die Verbesserung der Muskulatur und zur Behandlung der Schmerzen. Wichtig ist, dass die Betroffenen die Übungen konsequent zu Hause weitermachen. Zudem gibt es die Möglichkeit einer Infiltration mit Kortison oder Eigenblut in den Schleimbeutel. Das soll die Entzündung lindern, damit die Betroffenen ihre Physio-Übungen ohne Schmerzen ausführen können. Nur sehr selten ist eine Operation nötig, bei welcher der Schleimbeutel entfernt oder die Sehne wieder am Knochen befestigt wird. Weil Betroffene danach rund zwei Monate an Stöcken gehen müssen, ist die Operation die allerletzte Option.



