«Ein Stoma verursacht keine Schmerzen»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 23. April 2026
(Symbolbild: iStock)
Ein künstlicher Darmausgang ist noch immer ein Tabuthema. Dabei kann ein Stoma die Lebensqualität erheblich verbessern, sagt die Expertin Barbara Inauen.
Barbara Inauen, wann benötigt man einen künstlichen Darm- oder Urinausgang?
Normalerweise gelangt die Nahrung durch die Speiseröhre in den Magen und wandert dann durch Dünn- und Dickdarm, bis sie ausgeschieden wird. Ist dieser Weg aufgrund einer Krankheit gestört, kann ein künstlicher Darmausgang – ein sogenanntes Stoma – notwendig werden. Ein künstlicher Urinausgang – ein Urostoma – wird benötigt, wenn die Harnblase als Urin-Reservoir fehlt oder die Harnwege den Urin nicht mehr auf natürlichem Weg ausscheiden können.
Welche Krankheiten führen dazu, dass ein Stoma eingesetzt werden muss?
Häufig sind Krebserkrankungen im Darm oder an der Blase der Grund. Auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen können dazu führen, dass ein Stoma notwendig wird.
Wie funktioniert ein Stoma?
Bei einem chirurgischen Eingriff wird eine Öffnung in der Bauchdecke geschaffen. Der Darm oder die Harnwege werden so vernäht, dass Darminhalt oder Urin über diese Öffnung in einen Beutel abgeleitet werden.
Sind Betroffene lebenslang darauf angewiesen?
Das hängt von der Grunderkrankung ab. Ein Stoma kann vorübergehend angelegt werden, um den Darm nach einer Operation zu schützen oder damit er sich bei Entzündungen erholen kann. Muss jedoch der Schliessmuskel oder der Enddarm entfernt werden, ist der künstliche Darmausgang lebenslang notwendig.
Stört er im Alltag?
Nein, das Stoma selbst verursacht keine Schmerzen. Mit der richtigen Versorgung können Betroffene normal arbeiten und ein aktives Leben führen. Auch die Ernährung funktioniert nach einer Eingewöhnungsphase meist problemlos.
Erhalten die Betroffenen Unterstützung?
Ja, Betroffene werden von spezialisierten Stomatherapeutinnen und -therapeuten begleitet. Viele absolvieren zudem eine Reha. Dort lernen sie etwa, das Stoma zu reinigen und den Beutel zu wechseln. Bei Bedarf unterstützt auch die Spitex zu Hause.
Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Patientinnen und Patienten?
Zu Beginn sind sie oft schockiert, wenn sie erfahren, dass ein Stoma notwendig wird. Nach dem Eingriff sind aber die meisten überrascht, dass es im Alltag kaum Einschränkungen gibt und der künstliche Darmoder Urinausgang die Lebensqualität deutlich steigert.



