«Bis 25 gilt es viele Reserven aufzubauen»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 16. April 2026
(Symbolbild: iStock)
Von Osteoporose sind meistens ältere Menschen betroffen. Dennoch ist die Prävention in jungen Jahren wichtig, sagt der Rheumatologe Christoph Gorbach.

Christoph Gorbach ist Rheumatologe an der Universitätsklinik Balgrist in Zürich.
Christoph Gorbach, wie häufig ist Osteoporose?
Sehr häufig: Jede zweite Frau und jeder fünfte Mann über 50 sind betroffen.
Was sind die Ursachen?
Dass mehr Frauen als Männer an Osteoporose leiden, liegt vor allem an der Menopause und dem damit verbundenen Abfall des Östrogenspiegels. Östrogen schützt die Knochen und hemmt den Abbau von Knochensubstanz. Zudem begünstigen Bewegungsmangel, Untergewicht sowie ein Mangel an Eiweiss, Kalzium und Vitamin D das Entstehen von Osteoporose. Auch Medikamente und Krankheiten wie etwa eine Überfunktion der Schilddrüse, Diabetes, Morbus Crohn und rheumatoide Arthritis können das Risiko erhöhen.
Wie wird Osteoporose behandelt?
Meist verschreibt man ein Medikament, das den Knochenabbau hemmt. Schreitet die Osteoporose dennoch voran, setzt man auf Medikamente, die den Knochenaufbau fördern.
Wann ist ein operativer Eingriff nötig?
Wenn die Folgen der Osteoporose behandelt werden müssen. Etwa wenn es zum Bruch eines Wirbelkörpers gekommen ist und Schmerzmittel nicht helfen. Ziel der Operation ist, dass der Patient oder die Patientin möglichst rasch schmerzfrei wird und wieder aktiv am Leben teilnehmen kann. Das Schlimmste bei Osteoporose ist die Bettlägerigkeit, weil der Knochenabbau dann schneller fortschreitet.
Kann man Osteoporose vorbeugen?
Ja, und damit sollte man schon früh beginnen. Die Knochen erreichen um das 25. bis 30. Lebensjahr ihre maximale Dichte – ab dann nimmt sie stetig ab. Es ist also wichtig, bis 25 möglichst viele Reserven aufzubauen. Das gelingt mit regelmässiger Bewegung, indem Untergewicht vermieden, auf Nikotin verzichtet und nicht zu viel Alkohol getrunken wird. Zudem sollte man auf eine ausreichende Zufuhr von Kalzium, Vitamin D und Eiweiss achten. Im höheren Alter werden vor allem Krafttraining und Sturzprophylaxe wichtig.
Soll man ab einem gewissen Alter regelmässig die Knochendichte messen?
Ja, unbedingt. Denn Osteoporose verursacht zunächst keine Schmerzen. Die Knochendichte nimmt einfach stetig ab – bis es ohne relevanten Unfall zu einem Bruch kommt. Durch eine Messung der Knochendichte kann man rechtzeitig mit Medikamenten gegensteuern. Ich empfehle eine erste Knochendichtemessung bei Frauen ab 50 und bei Männern ab 60 Jahren.



