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Schweizer Familie

«Transplantationen helfen Diabetes zu kontrollieren»

«Transplantationen helfen Diabetes zu kontrollieren»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 19. März 2026

(Symbolbild: iStock)

Bei Diabetes kann der Körper Zucker nicht richtig verwerten. Experte José Oberholzer sagt, wann eine neue Bauchspeicheldrüse sinnvoll ist.

José Oberholzer ist Viszeral- und Transplantationschirurg am Unispital Zürich.

José Oberholzer, was passiert im Körper, wenn jemand an Diabetes leidet?
Bei Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse. Wir benötigen jedoch Insulin, damit unsere Zellen Zucker aufnehmen und daraus Energie gewinnen können. Bei Typ-2-Diabetes wird ausreichend Insulin produziert, die Zellen reagieren aber nicht mehr darauf. Beide Formen können Organe wie Augen, Nieren, Herz und Hirn schädigen.

Während bei Typ-2-Diabetes oft ein aktiver Lebensstil und eine Diät helfen, müssen Menschen mit Typ-1-Diabetes täglich Insulin spritzen.
Genau. Was jedoch weniger bekannt ist, ist die Möglichkeit einer Transplantation der Bauchspeicheldrüse oder der Inselzellen.

Für wen kommen solche Transplantationen in Frage?
Klassischerweise für Menschen mit Typ-1-Diabetes, die an einem Nierenversagen leiden. Dann ist ohnehin eine Nierentransplantation nötig, und die Betroffenen sind danach auf Immunsuppressiva angewiesen, um eine Abstossung zu vermeiden. Da entscheidet man sich oft dazu, mit einer zusätzlichen Bauchspeicheldrüsen- Transplantation auch den Diabetes zu behandeln. Man kann aber auch nur die Bauchspeicheldrüse transplantieren.

In welchen Fällen ist das eine sinnvolle Option?
Bei Menschen, deren Blutzucker sich mit den Insulinspritzen nur schwer regulieren lässt. Grundsätzlich sollten die Betroffenen weder zu jung noch zu alt sein. In der Regel führen wir die Transplantationen bei Menschen zwischen 30 und 70 durch. Frauen sollten die Familienplanung möglichst abgeschlossen haben. Es ist zwar möglich, nach der Operation schwanger zu werden, das erfordert aber eine engmaschige medizinische Kontrolle.

Wann kommt eine Transplantation der insulinproduzierenden Zellen in Betracht?
Derzeit ist dies vor allem eine Option für Menschen, bei denen eine Bauchspeicheldrüsen- Transplantation zu riskant wäre. Die Erfolgsrate ist etwas geringer, und oft sind zwei bis drei Transplantationen nötig, bis die Betroffenen genügend insulinproduzierende Zellen haben.

Wie sind die Erfolgschancen bei der Bauchspeicheldrüsen- Transplantation?
Hierbei handelt es sich um eine sehr erfolgreiche Operation. In über 90 Prozent der Fälle sind die Betroffenen danach nicht mehr aufs Spritzen von Insulin angewiesen.

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