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Schweizer Familie

«Neue Therapien verlängern das Leben»

«Neue Therapien verlängern das Leben»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, [wpv-post-date]

(Symbolbild: iStock)

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Oft bleibt er lange unbemerkt. Darum sind Vorsorgeuntersuchungen wichtig, sagt Onkologin Silke Gillessen.

Silke Gillessen, Medizinische Direktorin am Onkologischen Institut der italienischen Schweiz.

Silke Gillessen, mit welchen Symptomen zeigt sich Prostatakrebs?
Leider macht er sich oft lange nicht bemerkbar. Mögliche Anzeichen sind etwa Harnwegsbeschwerden, wenn die Tumormasse lokal fortgeschritten ist. Oder es können Symptome auftreten, die mit der Entwicklung von Ablegern zusammenhängen, wie Knochenschmerzen, oder Allgemeinsymptome wie Müdigkeit und Gewichtsverlust.

Wer ist besonders gefährdet, an Prostatakrebs zu erkranken?
In der Regel sind das Männer im gesetzteren Alter. Erhöht ist das Risiko, wenn bereits der Vater oder ein Bruder an Prostatakrebs erkrankt ist. Aber auch eine familiäre Häufung von Brustoder Eierstockkrebs wegen einer Genmutation erhöht das Risiko deutlich. In diesen Fällen wird eine Vorsorgeuntersuchung ab 40 empfohlen, sonst ab 50.

Wie verläuft die Vorsorgeuntersuchung?
Mittels Bluttests wird der PSAWert gemessen. Bei Menschen mit Krebs ist der Anteil dieses von der Prostata produzierten Proteins häufig erhöht. Oft wird zusätzlich eine Tastuntersuchung im Enddarm vorgenommen.

Wie wird Prostatakrebs behandelt?
Hat er noch nicht gestreut, ist bei niedrigem Risiko meist noch keine Behandlung nötig. Es genügt eine aktive Überwachung mit regelmässigen Kontrollen. Bei einem mittleren oder hohen Risiko erfolgt eine Radiotherapie, oder die Prostata wird operativ entfernt. Im frühen Stadium ist die Heilungsrate bei beiden Methoden sehr hoch.

Und wenn der Krebs schon Ableger gebildet hat?
Dann setzt man oft auf eine Hormonentzugstherapie. Dabei wird die Produktion der männlichen Sexualhormone in den Hoden gestoppt, da sie das Wachstum der Krebszellen fördern. Allerdings wird ein geringer Teil der Sexualhormone auch in den Nebennieren gebildet, und meist treten mit der Zeit Resistenzen auf – hier können wir mit neuen Medikamenten ansetzen, die auch die Produktion in den Nebennieren blockieren. Werden die Medikamente von Anfang an kombiniert, verlängert dies das Überleben deutlich.

Gibts weitere Fortschritte?
Ja, es gibt neue personalisierte Therapien wie die Radioligandentherapie. Sie ermöglicht es, das Prostataprotein im ganzen Körper zu suchen und gezielt mit radioaktiven Substanzen zu bestrahlen. Wir machen in der Onkologie laufend Fortschritte, weshalb es wichtig ist, sich an Fachleute zu wenden.

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