«Aktiv bleiben schafft Lebensfreude»
Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 26. März 2026
(Symbolbild: iStock)
Aktivierung unterstützt ältere Menschen dabei, ihren Alltag selbstbestimmt nach ihren Interessen zu gestalten, sagt die Fachfrau Olivia Artho.
Olivia Artho, was versteht man unter Aktivierung?
Aktivierung bedeutet, dass wir die Gäste in unserem Wohn- und Pflegeheim ganzheitlich anschauen. Wir berücksichtigen ihre Biografie, ihre Interessen sowie das Krankheitsbild und klären, über welche Ressourcen sie verfügen. Danach können sie ihren Alltag mit der Unterstützung der Mitarbeitenden Aktivierung selbstbestimmt gestalten. Dazu arbeiten wir eng mit Pflegefachpersonen zusammen.
Was ist das Ziel der Aktivierung?
Die Lebensqualität und die Lebensfreude zu erhalten, indem wir älteren Menschen täglich verschiedene Impulse ermöglichen. Diese bestehen aus kognitiven, musischen, gestalterischen oder alltäglichen Tätigkeiten.
Können Sie einige Beispiele nennen?
Es gibt Turnstunden, die jegliche motorische Fähigkeiten ansprechen und die beispielsweise Übungen für die Sturzprophylaxe beinhalten. Kognitive Tätigkeiten wie Gedächtnistrainings oder Diskussionsrunden bieten Raum für Austausch und Erinnerung. Spiele und Musik gehören zu beliebten Aktivitäten, die den sozialen Austausch fördern. Menschen, die gerne gärtnern, können sich bei uns in der Gruppe «Natur erleben» einbringen, und es gibt auch die Deko-Gruppe, die bei der Dekoration des Hauses mithilft.
Ist die Teilnahme an solchen Aktivitäten Pflicht?
Nein, alles ist freiwillig. Wir versuchen, unsere Gäste zu ermutigen, die Angebote zu nutzen. Am Ende stellen sie sich ihren Tagesablauf aber selbstbestimmt nach ihren Bedürfnissen zusammen.
Weshalb ist die Aktivierung so wichtig?
Sie schafft Sinn, Orientierung und Sicherheit. Zudem können Aktivitäten von Schmerzen und Krankheiten ablenken und so die Psyche stärken. Gemeinsame Aktivitäten fördern ausserdem das Zugehörigkeitsgefühl und können gegen Einsamkeit helfen. Welche Rückmeldungen erhalten Sie? Wir erfahren sehr viel Dankbarkeit dafür, dass wir uns Zeit nehmen und auf individuelle Wünsche eingehen.
Was raten Sie Menschen, die noch nicht in einem Pflegeheim wohnen?
Wichtig ist, sich mit seinen Interessen auseinanderzusetzen und ihnen nachzugehen. Zudem rate ich, aufzuschreiben, was einem Freude bereitet. Womöglich ist man beim Eintritt ins Pflegeheim nicht mehr in der Lage, dies mitzuteilen. Ist es schriftlich festgehalten, können wir in der Aktivierung trotzdem darauf eingehen.



