Skip to main content
Schweizer Familie

«Wer Symptome spürt, sollte nicht zuwarten»

«Wer Symptome spürt, sollte nicht zuwarten»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 19. Februar 2026

(Symbolbild: iStock)

Polyneuropathie zeigt sich oft mit einem Kribbeln und Taubheit in den Füssen. Diese Symptome sollten früh abgeklärt werden, sagt der Neurologe Patrick Freund.

Patrick Freund leitet das Zentrum für Paraplegie der Universitätsklinik Balgrist in Zürich.

Patrick Freund, was versteht man unter dem Begriff Polyneuropathie?
Eine Schädigung von Nerven, die ausserhalb von Gehirn und Rückenmark liegen. Diese Nerven sind dafür zuständig, Impulse wie Schmerz und Berührung weiterzuleiten sowie die Muskeln zu steuern.

Mit welchen Symptomen zeigt sich Polyneuropathie?
Hauptsächlich mit einem Kribbeln, mit Taubheit und Gangunsicherheit. Meist beginnen die Gefühlsstörungen an den Fussspitzen und breiten sich langsam nach oben aus. Sie können aber auch gleichzeitig an Füssen und Händen auftreten.

Was sind die Ursachen?
Eine Polyneuropathie kann diverse Ursachen haben. Die häufigste ist Diabetes mellitus. Aber auch chronischer Alkoholmissbrauch, Vitaminmangel, gewisse Medikamente, Autoimmunerkrankungen oder eine genetische Veranlagung können eine Polyneuropathie verursachen. Meist sind die Betroffenen über 50.

Handelt es sich um eine häufige Erkrankung?
Ja. Schätzungsweise leiden rund 10 Prozent der über 65-Jährigen an Polyneuropathie, weltweit sind es über 200 Millionen Menschen.

Wie wird Polyneuropathie diagnostiziert?
Mit einer neurologischen Untersuchung werden die Nervenfunktionen getestet. Zusätzlich Polywird mit einer elektrophysiologischen Untersuchung geprüft, wie schnell die Nerven Reize weiterleiten. Mit Ultraschall können wir zudem erkennen, ob Nerven aufgrund einer Entzündung verdickt sind. Wer Symptome spürt, sollte diese möglichst früh mit dem Hausarzt oder der Hausärztin besprechen oder sich direkt an eine Fachperson wenden. Je länger gewartet wird, desto schwieriger ist die Behandlung.

Welche Möglichkeiten gibt es?
Zunächst werden mit einer Blutuntersuchung mögliche korrigierbare Faktoren gesucht, welche die Polyneuropathie ausgelöst haben könnten. Liegt etwa ein Vitaminmangel oder Diabetes vor, werden diese Ursachen behandelt. Dadurch kann das Fortschreiten der Erkrankung gebremst werden. In circa 30 Prozent der Fälle finden wir jedoch keine Ursache. Dann werden die Symptome behandelt.

Wie geschieht das?
Medikamente wie Antidepressiva oder Antiepileptika können Schmerzen lindern und das Kribbeln dämpfen. In 90 Prozent der Fälle gelingt es, diese Symptome deutlich zu reduzieren. Wichtig sind zudem Therapien wie Gangtraining, Sturzprophylaxe und Physiotherapie.

Empfehlen Sie diesen Beitrag weiter: