GlücksPost

Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Urs Marbet, Facharzt für Magen-Darm-Krankheiten, Kantonsspital Uri

Eine Darmspiegelung ist immer noch die beste vorsorgliche Untersuchung gegen Darmkrebs. Sie wird ab 50 empfohlen. Viele Leute scheuen sich aber vor der Vorbereitung bzw. dem Prozess der Darmentleerung. Sind die heutigen Mittel besser?
Definitiv. Während früher vier Liter einer Salzlösung zur Darmvorbereitung getrunken werden mussten, sind dies heute noch zwei Liter. Zudem sind die Mittel geschmacklich wesentlich besser. Es gibt sogar Vorbereitungen, bei denen noch weniger getrunken werden muss. Leider ist zurzeit bei diesen der Darm oft nicht genügend entleert, weshalb ich Letztere nicht empfehle. Wenn man sich schon zur Darmspiegelung entschliesst, sollte die Vorbereitung qualitativ auch so gut sein, dass nicht noch wichtige Befunde im zurückgebliebenen Stuhl übersehen werden.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Annett Härtel, Fachärztin für Dermatologie in Basel und Uitikon Waldegg

Was passiert mit der Haut bei Psoriasis?
Die obersten Schichten der Haut erneuern sich bei der Schuppenflechte extrem schnell. Durch den gestörten Umbauprozess der Haut leidet die Qualität der einzelnen Hautzellen. Es kommt zu silbrig glänzenden Schuppen, die leicht zu entfernen sind. Dazu kommt eine kräftige Rötung mit starker Durchblutung der Haut. Wenn man das letzte Häutchen entfernt, kommt es zu einer punktförmigen Blutung, die auch als Phänomen des blutigen Taus beschrieben wird und ein Zeichen für Psoriasis ist. Besonders störend sind die typischen Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel und der spezifische Ölfleck unter der Nagelplatte. Schuppenflechte ist nicht ansteckend. Die Patienten leiden jedoch unter einer stark eingeschränkten Lebensqualität. Psoriasis kann heute sehr gut behandelt werden.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute»

Wie schafft man es, mit über 90 immer noch Abenteuer zu erleben?
Eine belebende Neugier, das Akzeptieren, dass man auch langsam ans Ziel kommt, eine grosse Portion Enthusiasmus und viel Freude sind im Spiel. Und dies sind keine Wunschvorstellungen. Es gibt sie – solche Menschen. Eine von ihnen ist Charlotte Peter. Von Beruf Journalistin, Buchautorin und Reiseleiterin, bereist sie auch heute – mit 93 Jahren – die weite Welt. Charlotte Peter hat eine Vorliebe für fernöstliche Kulturen. Als gute Beobachterin weiss sie andere Lebensformen zu schätzen und findet Zugang zu Ästhetik, Kunst und Philosophie. Charlotte Peter kann innere Grenzen überwinden und ist stets offen für Neues. Sie sagt, sie bemühe sich, gutherzig zu sein, immer weiter zu lernen und vor allem: nicht zu viel zu fordern. Bei «gesundheitheute » erfahren Sie mehr über diese aussergewöhnliche Frau.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Michael Fried, Klinikdirektor Gastroenterologie, Universitätsspital Zürich

Was sind die Ursachen und Therapiemöglichkeiten bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?
Beide Erkrankungen entstehen durch eine übersteigerte Reaktion des Abwehrsystems des Darmes auf Darmbakterien, wobei auch genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Dazu kommen Umwelteinflüsse, psychische Faktoren, auch Medikamente wie Rheumamittel können eine Rolle spielen. Ebenso kann das Rauchen einen Schub eines Morbus Crohn auslösen. Mit den modernen Therapieformen, insbesondere den sogenannten Biologica, können heute Heilungserfolge ohne den Einsatz von nebenwirkungsreichen Kortisonpräparaten erzielt werden. Heute versucht man eine möglichst komplette Abheilung der Entzündung zu erreichen, was früher kaum denkbar war.

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Dr. Jeanne FürstTV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Sarah Stoll, Fachberaterin Cancer Survivorship, Krebsliga Ostschweiz

Heute überleben doppelt so viele Menschen Krebs als vor 20 Jahren. Trotzdem finden viele Betroffene nicht mehr ins normale Leben zurück. Wo gibt es Hilfe?
Die kantonalen Krebsligen bieten ein grosses Angebot an Hilfeleistungen und Programmen an. Die Krebsliga ist sehr gut vernetzt und hilft persönlich weiter. Allerdings ist das Angebot von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Es umfasst verschiedene Aspekte wie physische, also körperliche Gesundheitsförderung, die Beratung beim Umgang mit möglichen Langzeitfolgen. Die Krebsligen unterstützen Betroffene auch psychoonkologisch: Man darf das Herz ausschütten. Es werden ebenso Spezialisten vermittelt. Ziel ist, gemeinsam den Gesundheitszustand zu erhalten und zu fördern, damit ein möglichst normales Leben möglich wird.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Andreas Schmid, Facharzt für Psychiatrie, Klinik Schützen Rheinfelden

Bei Depression kann es auch zu körperlichen Symptomen kommen. Müssen sie behandelt werden?
Indem körperliche Symptome ernstgenommen werden, kann Vertrauen wachsen, was den Zugang zu psychischen Problemen erleichtern kann. Eine Behandlung, die sowohl die Psyche wie auch den Körper einschliesst, ist in vielen Fällen hilfreich. So hilft beispielsweise Spazieren, Joggen, Schwimmen oder Krafttraining, die verlorene Kondition und Kraft wieder aufzubauen. Dazu kommt, dass Bewegung depressive Symptome und Angst lindern können. Bei Schwindel und Gehunsicherheit bewähren sich Geh- oder Konditionstraining, um wieder Sicherheit zu gewinnen. Menschen können so wieder Selbstvertrauen und Kontrolle über ihr Leben gewinnen, was sich positiv auf depressive Symptome auswirkt.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Matthias Baumgartner, Stoffwechselspezialist Kinderspital Zürich

Es gibt Menschen mit krankhaften Beschwerden und niemand findet eine Diagnose. Was soll man dann tun?
Man geht von 7000 bis 8000 Krankheiten aus, von denen jeweils nur wenige Menschen betroffen sind. Wenn es von 2000 Menschen eine betroffene Person gibt, sprechen wir von seltenen Krankheiten. Sehr viele Krankheiten sind aber noch viel seltener. Daher können weder Hausärzte noch Spezialisten alle Krankheiten auf dem Radar haben. Es ist wichtig, sich einen Arzt zu suchen, der Sie auf dem Weg zur richtigen Diagnose begleitet. Auch die «Helpline Seltene Krankheiten» unterstützt Betroffene jeglichen Alters: www.kispi.uzh.ch/helpline-selten oder selten@kispi.uzh.ch Für einige seltene Krankheiten gibt es auch Patientenorganisationen, denn ein Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Peter Schmid-Grendelmeier, Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich

Was sind die häufigsten Ursachen für allergisches Asthma?
Über die Hälfte der betroffenen Kinder und Jugendlichen leiden unter allergischem Asthma. Bei den Erwachsenen sind es 30 bis 50%. Häufigste Auslöser sind Pollen, vor allem während der Pollensaison. Häufig sind auch Hausstaubmilben, Tierbestandteile, wie Schuppen, Speichel oder Federn und Schimmelpilzsporen Verursacher von allergischem Asthma.
Kann man mit Asthma ein uneingeschränktes Leben führen?
Dank der heute vorhandenen Medikamente können betroffene Patienten in den meisten Fällen ein praktisch uneingeschränktes Leben führen. Grenzen gibt es höchstens bei gewissen Asthmaformen, wenn eine laufende Behandlung notwendig ist und der Patient darauf angewiesen ist, Medikamente mitzuführen.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Dirk J. Schaefer, Chefarzt Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische Chirurgie, Unispital Basel

Bei gelähmten Menschen können Nerven verpflanzt werden, um die Bewegung zurückzugewinnen. Für wen kommen solche Methoden in Frage?
Nervenverlagerungen kommen für Patienten mit Nervenverletzungen an den Extremitäten in Frage, aber auch für Patienten mit hoher Querschnittslähmung, die auch Arme und Hände betrifft. In der Regel sind diese Operationen innerhalb von einem bis anderthalb Jahren nach der Verletzung möglich. Nach zwei Jahren sind die motorischen Endplatten des Muskels leider abgebaut. Deshalb ist es wichtig, dass Patienten möglichst früh (innerhalb der ersten 3–6 Monate) von einem Plastischen Chirurgen untersucht werden. Bei optimalem Verlauf können sehr gute Ergebnisse (Koordination, Geschicklichkeit, Kraft und Gefühlsempfindung) erwartet werden.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Dominik Meyer, Leitender Arzt Schulter/Ellbogenchirurgie, Universitätsklinik Balgrist

Wann ist es empfehlenswert, ein künstliches Schultergelenk einzusetzen?
Die besten Gründe für die Implantation sind die Abnutzung des Gelenkes oder ein Sehnenriss, welcher nicht repariert werden kann. Oft liegt auch eine Kombination dieser Probleme vor. Die Patienten leiden an Schmerzen, Bewegungseinschränkung und Schwäche. Immer häufiger werden künstliche Gelenke auch zur Behandlung von Brüchen des Oberarmkopfes verwendet. Moderne künstliche Schultergelenke erhalten die Funktion der Schulter dauerhaft, das heisst über Jahre bis Jahrzehnte, ähnlich wie ein künstliches Hüftgelenk. Wichtig ist, dass die passende Art von Implantat bei den richtigen Voraussetzungen eingesetzt wird. Sofern dies der Fall ist, sind unsere Erfahrungen mehr heitlich sehr positiv.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Elisabeth Jakobs, Fachärztin Ophthalmologie, Vista Klinik

Fehlsichtigkeit lässt sich mit Laser korrigieren. Für wen eignen sich diese Methoden, und wer sollte besser davon absehen?
Diese Verfahren eignen sich prinzipiell für Menschen, die einen aktiven Lebensstil führen und un­abhängig von einer störenden Brille oder Kontaktlinsen sein möchten. Mit dem Laser lassen sich Fehlsichtigkeiten wie die Kurzsichtigkeit und die Hornhaut­verkrümmung sehr gut korrigieren. Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 20 Jahren und eine Fehlsichtigkeit, welche zwei Jahre unverändert geblieben ist. Ein Ausschlusskrite­rium kann eine zu dünne Hornhaut oder andere Augen­erkrankungen sein. Vor einem Eingriff braucht es deshalb immer eine Unter­suchung des Auges. Umfangreiche Messungen und eine in­dividuelle Beratung sind der Grundstein für eine erfolgreiche Behandlung.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Manuel Battegay, Chefarzt Infektiologie & Spitalhygiene, Universitätsspital Basel

Wie kann man das eigene Abwehrsystem stärken?
Der häufigste Grund der Abwehrschwäche ist Fehl- und Mangelernährung bedingt durch Armut. Dies ist bei uns selten, aber bei einseitiger Ernährung muss darauf geachtet werden, genügend Proteine und Vitamine zu sich zu nehmen. Es wird momentan viel diskutiert, ob Vitamin D das Abwehrsystem stärkt. Hier gibt es noch keine eindeutigen Belege. Ganz wichtig ist es, auf das Rauchen zu verzichten, da es in der Lunge die Abwehr reduziert. Auch Alkohol in höherem Mass schädigt die Zellabwehr. Im Winter treten Infektionen bei nasskaltem Wetter auf. Bestimmte Viren und Bakterien verursachen dann Probleme. Gesunde Ernährung, sich draussen aufhalten, bewegen und sich schützen vor nass-kaltem Wetter stärkt die Abwehr.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Lucas Leu, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chir­ urgie, Klinik Tiefenbrunnen, Zollikon

Nach Facelifting ist ein maskenhaftes Resultat gefürchtet. Wie lässt sich dies verhindern?
Ein unschönes maskenhaftes Gesicht entsteht durch Eingriffe, die nur an der Haut vorgenommen werden. Das heisst, dass nur Haut weggeschnitten und die Spannung isoliert nur auf die Haut ausge­übt wird. Bei einem korrekt durchgeführten «Hals-Face-Lifting» verbleibt die Spannung aber auf der tiefer liegenden Muskulatur und die Haut bleibt völlig spannungsfrei. Auf diese Weise erreichen wir ein Resultat, bei welchem man nicht offensichtlich sieht, dass eine Schönheitsoperation durchgeführt wurde.

Wie lange hält der Effekt eines Faceliftings?
Der Effekt hält je nach Hauttyp und Lebensweise zwischen sieben und 14 Jahren.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. Karin Hediger, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Rehab Basel

Mit Tieren lassen sich grosse Fortschritte bei der Therapie von hirnverletzten Menschen erreichen. Warum?
Menschen mit einer Hirnverletzung brauchen Lernmöglichkeiten. Dazu muss das Interesse und die Motivation der Patienten geweckt werden, was Tiere oft können, da sie uns auf einer emotionalen Ebene ansprechen und nicht werten, sondern einfach da sind. Die Patienten können ihre Rolle wechseln und selbst für das Tier sorgen, statt nur auf Hilfe angewiesen zu sein. Zudem sind Lernsituationen durch das Einbinden eines Tieres sehr alltagsnah und Handlungen haben einen Sinn. Oft entstehen enge Beziehungen zwischen einem Patienten und einem Tier, und die Patienten tun Dinge für das Tier, für die sie sonst nur schwer zu motivieren wären. Auch bei anderen Indikationen kann tiergestützte Therapie sehr erfolgreich sein.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Oswald Hasselmann, leitender Arzt Neuropädiatrie am Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen

Welche Beschwerden weisen auf Vitamin-B12-Mangel hin?
Wenn sich ein Kind nicht dem Alter entsprechend normal entwickelt. Im Fachjargon nennt man dies Entwicklungsretardierung. Bei einer Gedeihstörung, das heisst wenn die körperliche Entwicklung eines Kindes verzögert ist und Störungen in der Bewegung und dem Verhalten feststellbar sind. Ebenso muss an einen Vitamin-B12-Mangel gedacht werden, wenn ein Kind altersentsprechende Kost verweigert sowie bei häufigem Erbrechen.

Neben Blutarmut kann ein Vitamin-B12-Mangel teilweise irreversible Schäden verursachen. Was sind mögliche Folgen?
Es kann zu Fehlentwicklungen des Gehirns kommen mit Gedächtnisstörungen oder Entwicklungsstörungen des Rückenmarkes, was dann bis hin zu Lähmungen führen kann.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Ulf Klostermann, Facharzt für Anästhesiologie und interventionelle Schmerztherapie, Schmerz Zentrum Zofingen

Wieso verursacht Gürtelrose so starke Schmerzen?
Der Ausbruch der Gürtelrose wird durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus verursacht. 90% der Bevölkerung haben als Kind die Windpocken durchgemacht. Das Virus verbleibt danach lebenslang im Nervensystem und kann später – oft nach dem 50. Lebensjahr – lokal in einem Nerv reaktiviert werden. Das Virus verursacht eine starke Entzündungsreaktion im befallenen Nerv und bewirkt die schlimmen Schmerzen. In 2 bis 3 Wochen ist diese akute Phase abgeheilt. Sinnvoll sind in der akuten Phase starke Schmerzmittel, eine antivirale Therapie innert 72 Stunden und das Unterbrechen der Entzündungsreaktion durch Infiltration des betroffenen Nervs. Bei etwa 1⁄5 der Patienten bleibt leider ein chronischer Dauerschmerz.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr.med. Stephan Eberhard, Chefarzt Rehazentrum Walenstadtberg

Eine Netzhautablösung im Auge ist ein Notfall. Wie merkt man davon?
Die Symptome kommen in der Regel plötzlich. Man sieht sogenannte Spinnennetze oder Punkte, die vor dem jeweiligen Auge umherschwimmen. Des Weiteren können Blitze auftreten, welche vor allem im dunkleren Umfeld gesehen werden. Sobald die Netzhautablösung fortschreitet, treten Schatten und eventuell ein Abfall der Sehschärfe auf.

Wie gut ist eine Netzhautablösung zu behandeln?
Je früher sie behandelt wird, desto grösser sind die Erfolgsaussichten. Die Operation wird je nach Art der Netzhautablösung noch am gleichen Tag oder tags darauf durchgeführt. Somit kann in den allermeisten Fällen eine Erblindung verhindert werden. Es kann aber zu einer Verringerung der Sehschärfe kommen.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr.med. Stephan Eberhard, Chefarzt Rehazentrum Walenstadtberg

Nach einer Krebsbehandlung muss man sich erholen, dabei hilft die sogenannte Onko-Rehabilitation. Um was geht es?
Krebs und seine Behandlung betrifft den ganzen Menschen, alle Organe und Organsysteme sowie die Emotionen. Daraus entstehen häufig Einschränkungen im Alltag wie Müdigkeit, Mangelernährung, Schmerzen und andere, welche es den betroffenen Menschen nicht mehr ermöglichen in ihrem Alltag ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Hier bildet die onkologische Rehabilitation eine Brücke zurück ins Leben.

Was darf ein Patient davon erwarten?
Er darf erwarten, dass gemeinsam seine aktuelle Situation analysiert wird. Daraus werden Rehabilitationsziele formuliert. Mit einem gut koordinierten und spezialisierten Team, das aus verschiedenen Berufsgruppen zusammengesetzt ist, wird auf die vereinbarten Ziele hingearbeitet.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute»

Diabetes ist nicht harmlos. Ständig zu viel Zucker im Blut schadet mit der Zeit den Blutgefässen und den Nerven. Zuckerkranke spüren jedoch lange nichts davon. Aufschlussreich ist der Langzeitzuckerwert HbA1c im Blut. Damit sieht man, wie gut der Blutzucker in den letzten Wochen eingestellt war. HbA1c ist sozusagen das Blutzuckergedächtnis. Je besser der Zucker im Griff ist, desto weniger Folgekomplikationen sind zu erwarten. Ist der Blutzucker nicht unter Kontrolle, schadet er den kleinen und grossen Arterien. Je nachdem welche Organe davon betroffen sind, kann es zu Herzinfarkt, Nierenschwäche, Erblindung oder Hirnschlag kommen. Diabetesbedingte Folgeerkrankungen bilden sich schon sehr früh, deshalb ist es wichtig, die Zuckerkrankheit frühzeitig zu erkennen und bestmöglichst zu behandeln. Eine konsequente Änderung des Lebensstils sowie eine abgestimmte Therapie können Folgeschäden verhindern.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. Stephan Wirth, Teamleiter Fuss- und Sprunggelenkschirurgie, Universitätsklinik Balgrist

Jeder Fünfte leidet unter Hallux, auch Schiefzehe genannt. Kann man Hallux verhindern, indem man viel barfuss geht?
Prinzipiell ist Barfusslaufen gut für die Füsse, da die Fussmuskulatur trainiert wird. Wissenschaftlich ist meines Wissens jedoch nicht gesichert, dass die Entstehung eines Hallux mit Barfusslaufen sicher verhindert wird. Allerdings weiss man, dass in Ländern, in denen die Bevölkerung fast ausschliesslich barfuss läuft, der Hallux so gut wie nicht vorkommt.

Wie gross ist die Rückfallgefahr nach einer Halluxoperation?
Wenn die knöcherne Achse korrekt korrigiert wurde und all die anderen Aspekte der Hallux Fehlstellung richtig berücksichtigt und einbezogen wurden, ist ein Rückfall verschwindend gering. Aus den neusten Studien ist eine Rückfallrate von ca. 3 bis 5 % bekannt.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Sarah Stoll, Fachberaterin Cancer Survivorship, Krebsliga Ostschweiz

Heute überleben doppelt so viele Menschen Krebs wie vor 20 Jahren. Ist man danach derselbe Mensch wie davor?
Menschen, die Krebs überlebt haben und belastende Behandlungen über sich ergehen lassen mussten, berichten das Gegenteil. Die Spätfolgen haben teils grossen Einfluss auf die Lebensqualität. «Krebs macht den ganzen Menschen wund» – so eine Betroffene.

Was sind häufige Probleme nach Krebs?
Das Erlebte kann emotional und psychisch belasten. Häufig stören Symptome wie Müdigkeit, Gedächtnisstörungen, auch Nebenwirkungen von Therapien, wie z. B. der Antihormontherapie. Es können Schmerzen bleiben, sodass die Wiedereingliederung in den Beruf nicht klappt, oder Depressionen. Die kantonalen Krebsligen unterstützen die Betroffenen mit einem grossen Angebot an Hilfeleistungen und spezifischen Programmen.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Burkhard Möller, Chefarzt Rheumatologie, Inselspital Bern

Bei Gicht lagern sich Harnsäurekristalle in den Gelenken ab. Es gibt jedoch auch eine sogenannte Pseudogicht. Was ist das für eine Krankheit?
Bei der Pseudogicht lagern sich Kalziumpyrophosphatkristalle im Knorpel und anderen Geweben ab. Betroffen sind vor allem Knie-, Hand- und Schultergelenke. Die Krankheit verläuft meist in Schüben, also attackenförmig. Es sind jedoch auch andere Verlaufsformen möglich.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für Pseudogicht?
Vor allem ältere Menschen. Bei jüngeren Menschen können Hormon- oder Stoffwechselkrankheiten Pseudogicht verursachen. Häufig sind es Probleme mit dem Eisenstoffwechsel, mit der Schilddrüse und der Nebenschilddrüse.

Spielt bei Pseudogicht die Ernährung eine Rolle?
Bei der Pseudogicht spielt die Ernährung allenfalls eine untergeordnete Rolle.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Urs Marbet, Kantonsspital Uri

Wann ist eine Darmspiegelung ratsam?
Eine Darmspiegelung wird allen Menschen im Alter ab 50 empfohlen, denn es ist zurzeit immer noch die beste Darmkrebsvorsorgeuntersuchung. Risikofaktoren sind vor allem familiäre Tumorbelastung, Nachweis von Polypen im Darm bei einer früheren Untersuchung, massives Übergewicht, Rauchen und zunehmendes Alter. Hatten die erstgradig Verwandten, also Vater, Mutter oder Geschwister, Darmkrebs schon im Alter unter 60, sollte unbedingt eine Spiegelung etwa zehn Jahre früher durchgeführt werden, als beim Verwandten der Krebs aufgetreten war.
Eine spezielle Situation liegt bei Leuten vor, deren Familie an einem Tumorsyndrom mit hohem Krebsvorkommen leidet oder Leuten, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung leiden. Diese müssen mit ihrem Arzt die beste Vorsorge besprechen.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Reinhard Dummer, stv. Klinikdirektor, Dermatologische Kliniken Universitätsspital Zürich

Jeder Dritte über 70 hat Hautkrebs, denn bei intensiver UV-Belastung sind die Reparaturmechanismen im Alter irgendwann erschöpft. Doch wie rasch können sich bei schwarzem Hautkrebs Ableger bilden?
Das ist sehr individuell. Bei etwa 5 % aller neu diagnostizierten Patienten finden sich Ableger bereits bei der Diagnose. Bei den anderen Patienten treten sie meist in den ersten drei Jahren auf. Immer wieder gibt es jedoch sehr späte Ableger, die erst nach 5 bis 20 Jahren auftreten können.

Heute stehen neue sogenannte Immuntherapien zur Verfügung. Was ist besser?
Die neuen Behandlungen führen bei einem Teil der Patienten zum Schrumpfen von Ablegern. Diese Therapien sind in der Regel gut verträglich. Bei 20–40 % der Patienten ist der Nutzen auch noch nach fünf Jahren nachweisbar.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit PD Dr. med. Mazda Farshad, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie, Universitätsklinik Balgrist

Wodurch entstehen Rückenschmerzen und wie wird behandelt?
Bei den häufigsten akuten Rückenschmerzen kann keine spezifische Ursache festgestellt werden. Diese Schmerzen verschwinden innerhalb von ca. sechs Wochen. Nicht selten verursachen degenerative Prozesse der Bandscheiben und Gelenke der Wirbelsäule Schmerzen. Eine Operation ist nötig, wenn es zu Lähmungen, plötzlichen Störungen beim Gehen oder Blasenfunktionsstörungen kommt, die durch die Kompression der Nerven oder des Rückenmarks auftreten. Ebenso muss operiert werden, wenn eine Deformität unkontrolliert zunimmt. Können Schmerzen durch konservative Therapien ungenügend gelindert werden, kann eine Operation helfen. Ein grosser Teil der Probleme kann jedoch ohne Operation zufriedenstellend behandelt werden. Am wichtigsten ist, dass die Diagnose stimmt.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Christian Cajochen, Schlafforscher, UPK Basel

Viele Leute schlafen bei Vollmond nicht gut. Hat der Mond einen Einfluss?
Der Mond hat einen grossen Einfluss auf Fortpflanzungsrhythmen sowie auf Ruhe und Aktivitätsphasen von vielen Lebewesen. Beim Menschen ist der Einfluss des Mondes zwar umstritten, obwohl diese Woche ein Befund publiziert wurde, dass der Mond einen Einfluss bei bipolaren Patienten hat, und zwar auf den Zeitpunkt, wann ein Patient in eine manische oder depressive Phase wechselt.

Auf www.gesundheitheute.ch gibt es eine Umfrage über den Einfluss des Mondes, an welcher sich alle Interessierten beteiligen können. Was möchten Sie damit herausfinden?
Wir wollen herausfinden, welche Umwelt und persönlichen Faktoren die Menschen plagen, wenn sie sich über schlechten Schlaf beklagen und, ob der Mond dazugehört oder nicht.

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Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Thomas Pilgrim, leitender Arzt Kardiologie, Inselspital Bern

Unsere Herzklappen nutzen sich im Laufe des Lebens ab. Wie zwingend ist eine Behandlung?
Erworbene Herzklappenfehler führen mittelfristig zu einer Herzmuskelschwäche und schränken die Lebensqualität und die Lebenserwartung ein. Bei einer Verengung der Aortenklappe beträgt die mittlere Lebenserwartung ab dem Auftreten von klinischen Beschwerden wie Leistungsschwäche, Brustschmerzen oder vorübergehendem Bewusstseinsverlust zwei bis fünf Jahre. Bei älteren Menschen oder bei Risikopatienten besteht die Möglichkeit, statt einer offenen Herzklappenoperation eine Behandlung mittels Herzkatheter durchzuführen. Dazu benötigt es lediglich eine örtliche Betäubung. Der Katheter wird, ohne Eröffnung des Brustkorbes, durch die Leistengefässe durchgeführt und die erkrankte Herzklappe kann so ersetzt werden.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute»im Gespräch mit Dr. med. Andreas Schmid, Facharzt für Psychiatrie, Klinik Schützen Rheinfelden

Warum können körperliche Beschwerden bei einer Depression auftreten?
Körperliche Beschwerden sind bei Depressionen sehr häufig. Sie können sogar, besonders bei älteren Menschen, im Zentrum stehen. Psychische Erkrankungen werden oft durch Stress ausgelöst und verursachen selbst Stress – verbunden mit körperlicher Anspannung. Unser Gehirn ist das Organ des Denkens, der Gefühle und des Erlebens und somit in ganz engem Austausch mit allen Organen. Besonders eng sind die Verbindungen des Gehirns mit dem Darm und dem Kreislauf. Dadurch kann es zu Druck auf der Brust, Herzklopfen, Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Schwindel, Übelkeit bis hin zu Bauchschmerzen kommen. Eine Behandlung sollte deshalb Psyche wie auch den Körper einschliessen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. phil. Brigitta Wössmer, Psychoonkologin am Universitätsspital Basel

Was ist mit Selbstwirksamkeit in der Krebsbehandlung gemeint?
Bei einer Krebserkrankung muss die erkrankte Person mit der Bedrohung einer eventuell tödlichen Krankheit umgehen. Die Therapien, das Vertrauen in Ärzte und Therapeuten, das Mitentscheiden spielen eine grosse Rolle. Dabei sind auch Zuspruch und Unterstützung von anderen Menschen wie «Du kannst es schaffen» wichtig. Das ist mit Selbstwirksamkeit gemeint. Sie wird ebenso gefördert durch Modelle und Vorbilder. Andere Patienten, die schwierige Situationen gemeistert haben, können Mut geben, nicht aufzugeben. Aber Selbstwirksamkeit heilt keinen Krebs. Es ist wichtig, keine Heilserwartungen zu schüren, sonst fühlt sich die Person als Versager, wenn der Verlauf der Erkrankung negativ ist.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Michael Fried, Klinikdirektor Gastroenterologie, Universitätsspital Zürich

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Was sind Ursachen und Therapiemöglichkeiten?
Beide Erkrankungen entstehen durch eine übersteigerte Reaktion des Darm-Immunsystems auf Darmbakterien, wobei genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Dazu kommen Umwelteinflüsse, psychische Faktoren oder Rauchen. Auch Rheumamittel können Einfluss haben. Moderne Therapieformen, insbesondere die sogenannten Biologica, können heute Heilungserfolge ohne den Einsatz von nebenwirkungsreichen Kortisonpräparaten erzielen. Es geht darum, eine möglichst komplette Abheilung der Entzündung zu erreichen, was früher kaum denkbar war. Allerdings sind diese Medikamente noch vergleichsweise teuer. Gegenwärtig werden weitere vielversprechende Substanzen entwickelt.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Marcel Tschopp, Oberarzt Rheumatologie, Universitätsklinik Balgrist

Bei welchen Beschwerden sollte man an Osteoporose denken?
Die Krankheit betrifft vor allem ältere Menschen und Frauen in der Menopause. Symptome sind Schmerzen oder Knochenbrüche. Diese treten plötzlich auf, ohne Auslöser. Knochenbrüche können relativ schmerzarm sein. Dann ist lediglich die Abnahme der Körpergrösse ein Hinweis. Osteoporose kann sich auch ohne spürbare Anzeichen entwickeln. Aus diesem Grund empfehlen wir eine Knochendichtemessung bei Verdacht auf einen osteoporotischen Bruch oder bei Frauen nach der Menopause bzw. Männer ab dem 60. Lebensjahr mit entsprechenden Risikofaktoren. Das sind eine familiäre Belastung, eine Kortisontherapie über mindestens drei Monate, rheumatoide Arthritis, Diabetes, Untergewicht, Hormonstörungen, u. a.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Stefan Graf Leitender Arzt Anästhesiologie, Spital Münsingen

Viele Menschen haben Angst, Erste Hilfe zu leisten. Sie befürchten, etwas Falsches zu tun. Was hilft dagegen? Am besten hilft, sich klarzumachen, dass der einzige schwere Fehler, den man machen kann, der ist, nichts zu tun. So ist zum Beispiel bei Herzstillstand jede Herzdruckmassage besser als keine.

Was ist das Wichtigste, wenn man an einen bewusstlosen Menschen gelangt?
Überprüfen, ob die Person noch atmet. Wenn sie atmet, hat man ein paar Minuten Zeit. Wenn sie dagegen bewusstlos ist und nicht mehr atmet, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Herzstillstand. Dann muss man sofort mit der Herzmassage beginnen und zeitgleich über die Nummer 144 alarmieren. Die Herzmassage darf man nicht stoppen, bis die Sanitäter die Reanimation übernommen haben.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute»

Saures Aufstossen oder Reflux ist eine Volkskrankheit. Knapp die Hälfte der Bevölkerung beklagt mindestens einmal pro Monat saures Aufstossen oder Magenbrennen. Glücklicherweise sind die Beschwerden oft harmlos und sprechen gut auf eine Behandlung an. Doch was kann man selber tun? Bei Übergewicht ist eine Gewichtsreduktion zu empfehlen. Betroffene mit nächtlichen Beschwerden profitieren vom Schrägstellen des Bettes. Fettreiche Mahlzeiten sollten speziell am Abend vermieden werden. Versuchsweise können Nahrungsmittel wie Kaffee, Schokolade, kohlensäurehaltige Getränke und Alkohol weggelassen werden. Auch ein Rauchstopp hilft. Reichen diese Massnahmen nicht aus, braucht es Medikamente. Bei seltenen Beschwerden werden Säurepuffer eingesetzt. Sind die Beschwerden stärker und häufiger, werden Protonenpumpenblocker verschrieben.
Dr. Jeanne Fürst, TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. Jaap Swanenburg, Bewegungswissen­schaftler, Universitätsklinik Balgrist

Wie wirkt Schwerelosigkeit auf unseren Körper?
Es ist bekannt, dass Astronauten rasch unter starken Rückenschmerzen leiden. Woher kommt das? Genau weiss man es noch nicht. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Bandscheibe durch die fehlende Gravitation, d.h. die fehlende Schwerkraft, anschwillt. Durch die Schwellung entsteht Druck, und dies führt dann zu Schmerzen. Eine zweite Ursache könnte darin liegen, dass die Rücken-Beugemuskeln in der Schwerelosigkeit immer arbeiten müssen und irgendwann überlastet sind. Dadurch können sie den Rücken nicht mehr stabilisieren. Das kann zu Schmerzen führen.

Was empfehlen Sie generell, um Rückenschmerzen vorzubeugen?
Durch regelmässige Bewegung kann man ein Gegengewicht zur einseitigen Belastung im Alltag setzen. Doch auch der Lebensstil ist wichtig: ausgewogene Ernährung, genügend Wasser trinken und nicht rauchen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Michael Nagler, Gerinnungsspezialist am Inselspital Bern

Heute steht eine neue Generation von Blutverdünnern zur Verfügung. Was sind die Vorteile?
Der grosse Vorteil für die Patienten ist, dass in der Regel keine Blutentnahmen mehr notwendig sind. Eine gelegentliche Kontrolle beim Hausarzt ist jedoch weiterhin empfohlen, um die Sicherheit dieser Medikamente regelmässig zu überprüfen. Hirnblutungen treten mit den neuen Medikamenten etwas seltener auf. Während die Mehrheit der Patienten mit den neuen Antikoagulanzien behandelt werden kann, muss in Spezialfällen immer noch auf die herkömmlichen Präparate zurück­ gegriffen werden.

Das heisst nicht, dass alle Patienten umgestellt werden müssen?
Nein, die absoluten Unterschiede zwischen den Medikamenten sind gering und bei guter Einstellung und Verträglichkeit kann selbstverständlich die etab­lierte Therapie bei­behalten werden.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Ladislav Nagy, Chefarzt Abteilung für Handchirurgie, Universitätsklinik Balgrist

Viele Menschen gehen bei Handbeschwerden viel zu spät zum Arzt. Wann wird es gefährlich?
Nach scheinbar banalen Stich- und insbesondere Bissverletzungen über den Gelenken ist die Gefahr einer Gelenkinfektion besonders häufig und gefährlich. Ein Extrembeispiel wäre ein Faustschlag gegen einen Zahn. Eine frühzeitige Behandlung ist entscheidend.

Was empfehlen Sie bei nächtlichem Kribbeln in den Händen und Einschlafen der Finger wegen dem
Als Erstmassnahme ist es sinnvoll, eine Handgelenkschiene zu tragen. Diese sollte nicht allzu eng sein und in der Nacht getragen werden. Solche Schienen sind in der Apotheke erhältich. Wenn die Finger weiterhin einschlafen, sollte ein Arzt zugezogen werden. Allenfalls ist dann eine Operation notwendig.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. dent. Dominik Hofer, Fachzahnarzt für Parodontologie, Langnau im Emmental

In der Schweiz werden jedes Jahr rund 90 000 Zahnimplantate gesetzt. Was sollten Patienten tun, damit Zahnimplantate möglichst lange erhalten bleiben?
Voraussetzung für eine langfristig erfolgreiche Implantat ­ behandlung sind zweimal jährliche Nachkontrollen beim Zahnarzt und der Dentalhygienikerin, in einzelnen Fällen sogar bis zu viermal pro Jahr. Damit können Probleme frühzeitig erkannt werden. Neben einer professionellen Zahnreinigung wird auch die persönliche Mundhygiene überprüft und entsprechend angepasst. Um das Knochenniveau um das Implantat zu be ­urteilen, sollen regel ­mässig auch Röntgenbilder angefertigt werden. Eine perfekte Mundhygiene ist sehr wichtig. Der Zahnarzt und die Dentalhygienikerin wissen am besten, was für jeden Patienten die idealen Hilfsmittel sind.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. Stefan Weber, Leiter Logopädie, Kliniken Valens

Nach einem Hirnschlag kann es zu Sprachstörungen kommen. Wie sollen Angehörige damit umgehen?
Es ist wünschenswert, dass Familienmit­ glieder einen Angehörigen ernst nehmen, der von Sprachstörungen betroffen ist. Man sollte der betroffenen Person vermitteln, dass sie als mitdenkender Gesprächspartner wahrgenommen wird, dass ihre Ansichten wertvoll sind. Ebenso ist es wichtig, dass gemeinsam nach Wegen zur Förderung der Kommunikation, zur Integration und gegen die Isolierung gesucht wird. Men­schen mit Sprach­störungen brauchen viel Zeit, damit sie ohne äusseren Druck sprechen können.
Das bedeutet: nicht ins Wort fallen, nicht zu viel «interpretie­ren», nicht über die betroffene Person hinwegsprechen. Die Angehörigen sollten Hilfe auch für sich selbst suchen, z. B. bei Aphasie Suisse.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit PD Dr. med. Stefan Balabanov, leitender Arzt Hämatologie, Universitätsspital Zürich

Gibt es Nahrungsmittel, die man meiden sollte, wenn man immer wieder von Eisenmangel betroffen ist?
Es ist bekannt, dass bestimmte Nahrungsbestandteile die Aufnahme von Eisen aus dem Darm hemmen können. Dabei wird insbesondere die Resorption von Eisen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln negativ beeinflusst. Studien haben gezeigt, dass die in Vollkorn und Hülsenfrüchten vorkommenden «Phytate» sowie die in Kaffee und Tee enthaltenen «Polyphenole» die Eisenaufnahme hemmen können.
Ähnliche Effekte sind auch für kalziumhaltige Nahrungsmittel (z.B. Milchprodukte) beschrieben worden. Sollte ein Eisenmangel diagnostiziert werden, macht es deshalb durchaus Sinn, die Zusammensetzung der Nahrung anzuschauen und solche Nahrungsmittel eventuell zu meiden.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit PD Dr. med. Stefan Balabanov, leitender Arzt Hämatologie, Universitätsspital Zürich

Spielt Eisenmangel eine Rolle in Bezug auf Haarausfall?
Haarausfall gehört zu den bekannten Symptomen eines Eisen­mangels. Es macht deshalb Sinn, bei vermehrtem aarausfall den Eisenhaushalt überprüfen zu lassen. Liegt tatsächlich ein Eisenmangel vor, kann durch die Gabe von Eisenpräparaten der Haarausfall rück­gängig gemacht werden.

Kann man mit einer eisenreichen Ernährung leere Eisenspeicher wieder auffüllen?
Wenn die Eisenspeicher einmal leer sind, wird eine alleinige eisenreiche Ernährung nicht ausreichen, um die Speicher wieder aufzufüllen. Es bedarf in der Regel einer zusätzlichen medikamentösen Eisengabe.
Eine eisenreiche Ernährung kann aber durchaus dazu dienen, die Entstehung von Eisenmangelzuständen zu vermeiden oder milde Eisen­mangelzustände wie­der zu korrigieren.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. Regine Dubler, Leiterin Pflegezentrum Dandelion, Basel

Was sind häufige Fehler, die im Umgang mit einem dementen Menschen gemacht werden?
Eine Demenzerkrankung ist immer mit einer Hirnleistungsstörung verbunden. Man muss deshalb bei Fehlleistungen» wissen, dass der Betroffene dies nicht extra macht. Er kann es einfach nicht besser. Wir sollten deshalb nicht ständig darauf hinweisen, was falsch ist. Dies führt zu Verunsicherung, Angst, bis hin zu Rückzug. Man sollte ver suchen, Sicherheit zu vermitteln, sich in den Kranken einzufühlen und dabei geduldig bleiben. Werde ich beispielsweise zum x-ten Mal nach dem Gleichen gefragt, antworte ich, wie wenn es das erste Mal wäre. Ich lasse mich nicht zur Antwort hinreissen: «Das hab ich dir doch schon 100-mal gesagt.» Es nützt auch nichts, zu massregeln, z. B.: «Aber nein, das macht man doch nicht, mach es so oder so!»
Dr. Jeanne FürstTV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Anna Zahno, Fachberaterin am Krebstelefon bei der Krebsliga Schweiz

Ist man nach einer Brustkrebsbehandlung am Arbeitsplatz wieder gleich belastbar wie zuvor?
Eine Brustkrebsdiagnose verändert das Leben der betroffenen Frau schlagartig. Zahlreiche Frauen, die erkranken, sind im arbeitsfähigen Alter und voll in das Arbeitsumfeld ein gebunden.
Eine Brustkrebsbehandlung erfordert jedoch meistens oder zumindest teil­weise das Fernbleiben von der Arbeit. Es kann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Nach dem Wieder­einstieg und der Rückkehr an den Arbeitsplatz zeigt sich oft, dass die Belastbarkeit nicht mehr die gleiche ist wie vorher. Dies ist jedoch von Frau zu Frau unterschiedlich. Eine vorübergehende Reduktion des Pensums kann hilfreich sein. Wichtig ist, sich selbst genug Zeit zu geben, um die Kräfte wieder aufzubauen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. Daniel Tinner, Fachzahnarzt SSO für Rekonstruktive Zahnmedizin Basel

Was muss ein Patient beachten, wenn er vor dem Entscheid steht, sich ein Zahnimplantat einsetzen zu lassen?
Der Patient sollte durch seinen Zahnarzt oder seine Zahnärztin ausführlich über die verschiedenen Behandlungs möglichkeiten, über das Vorgehen, die Risiken und die Kosten informiert werden. Eine Implantattherapie be­inhaltet neben dem Eingriff häufig eine Vorbehandlung und eine Einheilungs­phase. Der Patient sollte über die gesamte Behandlung informiert sein. Der Prozess kann von drei bis zu über zwölf Monate andauern. Der Patient muss sich auch vor der Behandlung im Klaren sein, dass Zahnimplantate viel Pflege und regelmässige Nachkon­trollen brauchen. Bei mangelnder Mundhygiene sind Implantate infektionsanfälliger als eigene Zähne.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Katherina Whinyates, Klinik Schützen, Rheinfelden

Achtsamkeitstherapie ist sehr im Trend. Worum geht es?
Die Achtsamkeitspraxis ist ein jahrtausendealter, bewährter Weg aus der fernöst­lichen Tradition, der seit den 1970er­ Jahren für die westliche Medizin und Psychotherapie wiederentdeckt wird. Achtsamkeit bedeutet, bewusst im gegenwär­tigen Augenblick zu sein, ohne zu urteilen. Das steigert das Bewusstsein für das Hier und Jetzt sowie die Fähigkeit, die Realität des Augenblicks zu akzeptieren.
Gleichzeitig entlastet es, weil es Abstand zu den Belastungen im Alltag schafft. In klinischen Studien konnten damit posi­tive Wirkungen bei chronischen Schmerzen, häufigen Infek­tionskrankheiten, Ängsten oder Panik­attacken, Depressionen, Hauterkrankungen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magenproblemen und Burnout nach­gewiesen werden.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Bernhard Bichsel, Leiter Abteilung Medizin­produkte Swissmedic

Mittlerweile gibt es über 150 000 Gesundheits-Apps. Worauf sollte man als Anwender achten?
Man muss sich bewusst sein, dass nicht alle diese Apps Medizinprodukte sind. Wir empfehlen, besonders Medizinprodukte mit Bedacht einzusetzen. Anwender sollten sich informieren, z. B. über die Zweckbestimmung der App, und sich bei Fragen oder Problemen an eine Fach­person oder den Hausarzt zu wenden.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Martin Rutz, Chefarzt Rheinburg­ Klinik Walzenhausen

Viele ältere Menschen leiden unter Schluckstörungen. Was sind typische Anzeichen?
Räuspern, Husten beim Essen oder eine gurgelige Stimme. Auch ein Fremdkörpergefühl im Hals kommt vor. Manchmal tritt Atemnot beim Essen auf, oder Speisereste bleiben nach dem Schlucken im Mund zurück. Ein Gewichtsverlust kann ebenso auf eine Schluckstörung hinweisen.

Gibt es Esstipps bei Schluckstörungen?
Eher weglassen sollte man einzelne Salat­blätter, Kerne, Kräutlein oder Körner. Ebenso ist von sehr trockener Nahrung, z. B. Nüssen, Guezli oder Trockenreis ab­ zuraten oder von Suppeneinlagen.
Beim Sitzen sollte eine aufrechte Haltung ein­genommen und das Kinn leicht in Richtung Brustbein geneigt werden. Erst sprechen nach komplettem Ab­schlucken. Langsam essen und gut kauen und immer kleine Schlucke und Bisse auf einmal nehmen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Petra Kohler, Kardiologin, Viollier AG, Basel

Spürt man etwas, wenn die Cholesterinwerte im Blut zu hoch sind?
Leider nein, ein hohes Cholesterin macht keine Beschwerden. Selten findet man gelbe Ablagerungen um die Augen oder einen weissen Ring um die Iris oder Knötchen an den Sehnen.

Wie kann man mit Lebensstilveränderung das Cholesterin senken?
Durch eine sogenann­te mediterrane Kost, tägliche Bewegung, Rauchstopp, moderaten Alkoholkonsum und Gewichtsreduk­tion kann man versuchen, das Cholesterin auf natürliche Weise zu senken. Welche Lebensmittel sollte man besser meiden, wenn man hohes Cholesterin hat? Man sollte bei fettem Fleisch, Wurst und bei Milchprodukten mit hohem Fettgehalt zurückhaltend sein. Süssigkeiten, Kuchen und Süssgetränke sollten reduziert werden. Vorsicht bei Kokosfett und Palmöl. Und es gilt: lieber grillieren als frittieren.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Reto Agosti, Leiter Kopfwehzentrum Hirslanden, Zürich

Sie haben ein Buchherausgegeben über Migräne und Kopfschmerzen, das sich an Hausärzte, Fachärzte, Therapeuten und Betroffene richtet. Ist das nicht ein grosser Spagat?
Diesen Vorwurf musste ich mir auch von einem renommierten amerikanischen Hirnchirurgen anhören. Doch dies ist genau eine der Stärken des neuen Buches! Es ist ein Nachschlagewerk für alle möglichen Bedürfnisse, ein Hand- buch mit vielen Tabellen und Zusammenfassungen sowohl für Hausärzte als auch für Spezialisten, und es gibt Informationen über Grundlagen und Behandlungsformen für alle Betroffenen. Im Buch wird ein breit gefächertes, multimodales Therapiespektrum aufgeführt, von der Schulmedizin bis zur Komplementärmedizin, und es bietet auch Hilfe in Notfallsituationen. Ebenso dient es dazu, sich im Informationsdschungel des Internets besser orientieren zu können.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Till Hornung, Direktor Kliniken Valens

Für eine bessere Erholung nach einem Hirnschlag beginnt die Zusammenarbeit zwischen dem Akut­spital und dem Rehazentrum früher. Was bedeutet dies konkret?
Heute beginnt man die rehabilitativen Behandlungen bereits in der Akutphase. So sind die Chancen grösser, dass sich geschädigte Hirnfunktionen besser erholen und das Risiko einer Langzeitbehinderung entscheidend gesenkt werden kann.
Rehabilitationsspezialisten sind somit Teil des sogenannten Stroke-Teams. Die enge Zusammenarbeit mit dem Rehabilitationszentrum ermöglicht es, einen frühzeitigen Transfer in eine spezialisierte neurologische Rehabilitationseinrichtung zu planen. Verschiedene Spezialisten stellen dabei interdisziplinär ein individuelles Trainingsprogramm zusammen. Ziel ist, bestehende Defizite weiter zu verbessern. Die Hirnschlagbehandlung stellt im Idealfall ein nahtloses Kontinuum verschiedener Interventionen dar.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Urs Marbet, Facharzt für Gastro­enterologie, Kantonsspital Uri

Wem empfehlen Sie eine Darmspiegelung?
Eine Darmspiegelung kann jedermann ab 50 empfohlen werden. Hatten Vater, Mutter oder Geschwister Darmkrebs im Alter unter 60 Jahren, sollte sie früher durchgeführt werden, und zwar etwa zehn Jahre bevor beim Verwandten der Krebs auf­getreten war. Ein grösseres Risiko für Dickdarmkrebs haben auch Menschen, bei denen bei einer früheren Untersuchung Polypen im Darm entdeckt wurden, Menschen mit chronisch entzündlichen Darm­erkrankungen, mit massivem Übergewicht und Raucher. Auch bei zunehmendem Alter ist das Risiko erhöht.

Sind die heutigen Mittel zur Vorbereitung besser?
Definitiv. Während früher vier Liter einer Salzlösung zur Darmvorbereitung getrunken werden mussten, sind es heute noch zwei. Zudem sind sie geschmacklich wesentlich besser.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit PD Dr. Georgios Mantokoudis, Oberarzt HNO, Inselspital Bern

Wann sollte Schwindel abgeklärt werden?
Es gibt sehr unterschiedliche Ursachen für Schwindel. Es kann ein harmloser viraler Infekt bis hin zu einem gefährlichen Hirnschlag dahinterstecken. Über 75% der Ursachen sind allerdings gutartig. Ein plötzlich auftretender, akut einschiessender Schwindel mit Gang­unsicherheit und Gleichgewichtsstörung, der permanent vorhanden bleibt und häufig von Brechreiz begleitet ist, sollte jedoch unbedingt abgeklärt werden.

Schwindel kann auch durch eine Durch­blutungsstörung im Innenohr entstehen?
Dies ist eher selten und führt nebst einer Gleichgewichtsstörung auch zu Hörverlust oder anderen Beschwerden. Häufiger betroffen sind Diabetiker, Raucher oder Menschen mit erhöhtem Blutdruck. Da­gegen hilft Bewegung,ausgeglichene Er­nährung und eine Gewichtsreduktion.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Petra Kohler, Kardiologin, Viollier AG, Basel

Was ist der sogenannte Weisskittel-Effekt?
Es gibt Patienten, bei denen der Blutdruck nur in der Arztpraxis ansteigt. Überschreitet er den Grenzwert von 140/90 mm Quecksilber (Hg), so spricht man von Weisskittelhypertonie. Sie kommt bei zehn bis 15 % aller Bluthochdruckpatienten vor. Misst man den Blutdruck ausserhalb der Praxis, ist er normal. Heute gelten Blutdruckwerte zwischen 90 und 140 mm Hg als akzeptabel.

Sehen Sie das auch so?
Das ist für eine Messung in der Arztpraxis korrekt. Bei Nieren­patienten und Diabetikern sollte der Wert allerdings weniger als 140/85 mm Hg betragen. Bei älteren Patienten wird diskutiert, ob man obere Werte bis 150 mm Hg akzeptiert. Zu Hause sollte der Blutdruck bei Selbstmessungen jedoch unter 135/85 mm Hg liegen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Andreas Müller, Facharzt für Gastroenterologie, Gastrozentrum Hirslanden

Wenn jemand Bauchschmerzen hat, welche Leiden muss man abklären?
Wichtig ist, zwischen akuten und chronischen Schmerzen zuunterscheiden. Bei akuten ist je nach Schweregrad eine sofortige medizinische Versorgung notwendig, so bei der Blinddarmentzündung. Die chronischen Bauchschmerzen können durch Tumore, Entzündungen, mechanische Passage-Störungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder ein Reizmagendarmsyndrom verursacht werden.
Sämtliche Bauchbeschwerden, welche das Wohlbefinden beeinträchtigen, sollten abgeklärt werden. Wichtig ist zu wissen, dass Tumore sehr lange keine Beschwerden verursachen, d.h. häufig erst, wenn sie relativ gross sind. Deshalb braucht es Vorsorgeuntersuchungen, sprich ab 50 eine Darmspiegelung.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» über quälenden Tinnitus

Ein ständiges Pfeifen oder Rauschen im Ohr sind typische Anzeichen für Tinnitus. Eine äussere Quelle für das Geräusch im Ohr gibt es nicht. Betroffene hören die störenden Geräusche über drei oder mehr Monate, manchmal für den Rest des Lebens. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt, die Ohrgeräusche können für Betroffene aber so quälend sein, dass sie depressiv werden.Tinnitus ist bisher nicht heilbar. Manchmal verschwindet er von selbst. Oft muss aber eine Bewältigungsstrategie gelernt werden. Deshalb arbeitet die Forschung intensiv daran, die Hintergründe der Erkrankung zu verstehen. Neu konnte die betroffene Stelle im Gehirn lokalisiert werden. Die Patienten lernen nun mit visuellen Techniken, Bilder zu generieren, die ihren Tinnitus beruhigen. Über diese und andere neue Erkenntnisse berichten wir in einer Spezialsendung.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» über Charlotte Peter

Charlotte Peter ist Journalistin, Buchautorin und Reiseleiterin und dies bis heute – mit 92 Jahren. Wie schafft sie es, bis ins hohe Alter so unternehmungslustig und gesund zu bleiben?
Die Weltenbummlerin hat mittlerweile über 100 Länder bereist und dabei eine Vor­liebe für fernöstliche Kulturen entwickelt. In all den Jahren hat sie nie verlernt zu staunen. Die promo­vierte Historikerin ist eine gute Beobachterin, weiss andere Lebensformen zu schätzen und findet immer wieder neue Zugänge zu Ästhetik, Kunst und Philosophie. Charlotte Peter weiss innere Grenzen zu überwinden und ist stets offen für Neues. Sie sagt, sie bemühe sich gutherzig zu sein, immer weiter zu lernen und nicht zu viel zu fordern.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. Andreas Schmid, Klinik Schützen, Rheinfelden

Ist die Pensionierung eine Strapaze für die Psyche?
Sie kann, muss aber nicht. Sie ist aber allemal eine nicht zu unterschätzende Umstellung. Das Erwerbsleben geht mit wirtschaftlichen Folgen zu Ende. Plötzlich hat man alle Zeit der Welt, weiss aber nicht, was mit ihr anfangen. Heiss ersehnte Träume lassen sich vielleicht nicht so wie geplant verwirklichen. Die Arbeitskollegen fehlen. Selber entscheiden zu müssen, welche Aufgaben zu erledigen sind, die Zeit einteilen zu müssen, braucht Übung.
All das kann sowohl ein Geschenk als auch eine Strapaze sein. Entscheidend sind die individuellen Umstände und der Umgang mit der Situation. Wer Aktivitäten pflegt, die ihn mit Menschen zusammen­bringen, hat die besseren Karten. Mut und Neugierde, sich auf etwas Neues einzulassen, sind wertvolle Eigenschaften.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. dent. Claude Andreoni, Präsident Schweiz. Gesellschaft für orale Implantologie SGI

Wie weiss ich, ob mein Zahnarzt ge­nügend Erfahrung hat, mir ein Zahnimplantat einzusetzen?
Wichtig ist ein informatives Gespräch mit dem Hauszahnarzt, dem man vertraut. Ein Zahnarzt mit «gesunder» Selbsteinschätzung wird wissen, ob seine implantologische Ausbildung ausreicht, um die Therapie selber durchzuführen, oder ob es sich um einen komplexeren Fall handelt, den er einem spezialisierten Kollegen überweisen soll.

Wo kann ich mich neutral informieren?
Bei der Schweizerischen Gesellschaft für orale Implantologie (SGI). Dort sind alle Zahnärzte aufgeführt, die einen Weiterbildungstitel in oraler Implantologie haben. Man kann sich auch bei der Implantat Stiftung Schweiz informieren oder bei allen Fachgesellschaften, die mit Implantologie zu tun haben. Sie alle führen eine Liste mit ihren Fachzahnärzten.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» über Fussballverletzungen

Fans und Fernsehzuschauer freuen sich auf den Start zur Fussball-Europameisterschaft am 10. Juni. Für die Spieler dagegen stellt die EM – im Anschluss an eine kräfteraubende Saison – gesundheitlich eine weitere Belastungsprobe dar. Doch nicht nur Profisportler, auch Hobbyfussballer sind häufig Verletzungen ausgesetzt. Je älter die Spieler desto grösser ist das Verletzungsrisiko. Besonders gegen Ende eines Spiels kommen Verletzungen am Fussknöchel, am Kniegelenk, den Muskeln und am Kopf häufiger vor, wegen zunehmender Ermüdung. Die Behandlung richtet sich nach der Verletzung. Sinnvoll sind jedoch die sogenannten PECH-Regeln: Pause, Eis, Compression und Hochlagerung. Je rascher sie angewendet werden, desto besser. Vorbeugen kann man mit regelmässigem Training, gezielten Übungen und gutem Aufwärmen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. dent. Simone Janner, Klinik für Oralchirurgie, Universität Bern

Jedes Jahr werden in der Schweiz ca. 80000 Zahnimplantate eingesetzt. Wie lange halten sie?
96 bis 98% der heute gesetzten Implantate sind in zehn Jahren noch funktionstüchtig. Wir haben 10- bis 20-Jahres-Daten von älteren Typen. Heute hergestellte Implantate sind das Resultat von vielen Weiterentwicklungen und in ihren Eigenschaften «zu neu», um Langzeitbeobachtungen zu ermöglichen. Die längsten Beobachtungen von heute noch hergestellten Implantaten sind 10, max. 15 Jahre. Wir gehen davon aus, dass nach dem 10. Jahr die Verlustrate nicht zunimmt, sondern eher abnimmt.

Ist die Behandlung schmerzhaft?
Normalerweise wenig bis kaum. Es hängt jedoch von der Ausdehnung der Chirurgie und dem Aufbau von Knochen und/ oder Weichteilen ab. Mit gewöhnlichen Schmerzmedikamenten ist es bestens kontrollierbar.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Bettina Weiss, stv. Chefärztin Rheumatologie, Universitätsklinik Balgrist

Rheumatoide Arthritis hat mit unserem Abwehrsystem zu tun. Was passiert genau?
Das ist eine gute Frage, die in allen Einzelheiten bis heute noch nicht umfassend geklärt ist, obwohl man sehr viele Faktoren kennt, die an der Entstehung und am Ausbruch der überwiegend in unseren Genen liegenden Erkrankung beteiligt sind. Kurz gesagt kommt es zu einer Entzündung der Gelenkhaut (Synovia) und zu einer Bildung von Auto-Antikörpern, also Antikörpern, die sich gegen körpereigene Stoffe bilden. Dies führt zu einer aktiven und chronischen Entzündung vor allen Dingen der Gelenke und Sehnenscheiden, in deren Folge es zu einer Zerstörung der Gelenke kommen kann. Die Rheumatoide Arthritis zeigt sich hauptsächlich als Gelenkerkrankung, ist aber eine Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft und auch innere Organe (z.B. die Lunge) befallen kann.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Monika Burkhalter, Leitung Prävention, Krebsliga des Kantons Zürich

Sonnenstrahlen können gefährlich sein. Wie ist es mit dem Solarium?
Die UV-Belastung im Solarium ist eine zusätzliche Belastung für die Haut und erhöht das Hautkrebsrisiko. Wer vor dem 35.Lebensjahr mit Besuchen in Solarien beginnt, hat ein fast doppelt so hohes Risiko, im Verlauf des Lebens an einem Melanom zu erkranken.

Welchen Sonnenschutzfaktor empfehlen Sie?
Die Krebsliga empfiehlt Sonnenschutzmittel für Erwachsene ab LSF 15. Ein hoher Faktor (ab LSF 30) eignet sich für Kinder sowie für Menschen mit sonnenempfindlicher Haut, aber auch im Gebirge, in sonnenintensiven Ländern oder für Wassersportler. Der Faktor ist nicht alleine ausschlaggebend, sondern die korrekte Anwendung: grosszügig auftragen, auch wasserfeste Produkte nach dem Baden nachcremen und die Aufenthaltsdauer an der Sonne beschränken.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Andreas Braun, Fachpsychologe für Psychotherapie BAG, Lenzburg.

Gibt es ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätssyndrom) bei Erwachsenen, ohne dass es schon als Kind vorhanden war?
ADHS beginnt immer in der Kindheit. Bei Erwachsenen sucht man rückblickend nach entsprechenden Symptomen. Dazu gibt es gezielte Fragebögen. Es werden aber auch Schulzeugnisse betrachtet und die Eltern befragt. Bei Fehlen der Hyperaktivität wird ein ADHS in der Kindheit oft nicht erkannt. Mangelnde Konzentration, Desorganisation und Vergesslichkeit werden als Faulheit oder Willensschwäche fehlinterpretiert. Das Kind hält sich dann tatsächlich für faul oder unbegabt. Dies hat negative Folgen für das Selbstwertgefühl. Als Erwachsene leiden sie oft unter Depressionen, ohne zu wissen, dass sie eigentlich ein ADHS haben. Viele Betroffene erwähnen, dass sie gewisse Probleme schon immer hatten, auch als Kind.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. Christina Röcke, Kompetenzzentrum Plastizität im Alter, Universität Zürich

Sie forschen zum Thema Plastizität im Alter. Um was geht es da?
Unter Plastizität verstehen wir in der Psychologie die Fähigkeit und das Potenzial zur Veränderbarkeit. Das kann Veränderbarkeit im Verhalten und Können sein. Es geht um Training von Gedächtnis oder allgemeinen geistigen Fähigkeiten, aber auch um die Veränderbarkeit von Hirnstrukturen nach einer Hirnverletzung. Lange dachte man, dass ältere Menschen nicht mehr lernfähig sind oder dass das Gehirn nur Abbauprozesse aufzeigt. Wir wissen inzwischen jedoch, dass kognitive Trainings auch bei älteren Menschen zu Verbesserungen führen und sich Trainings auch in Veränderungen auf der Hirnebene niederschlagen. Was wir noch nicht wissen ist, wie wir die Trainings gestalten können, damit man auch im Alltag und bei nicht-trainierten Fähigkeiten Effekte erzielt.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Alexandra Berner, Physiotherapeutin Movemed, Universitätsklinik Balgrist

Das Knie ist ein grosses und komplexes Gelenk und wird stark beansprucht. Was ist positiv und was ist negativ für das Knie?
Regelmässige Bewegung ist ideal, denn so wird der Knorpel mit Nährstoffen versorgt. Für das Knie sind gut ausgeführte Übungen und eine gute Balance zwischen Mobilität und Stabilität sehr wichtig. Es gibt Sportarten, die das Knie mehr belasten und solche, die schonender sind. Velofahren, Aquajogging und Nordic Walking eignen sich sehr gut. Squash, Tennis und Fussball sind ungünstig für das Knie, denn sie strapazieren das Gelenk mit vielen Schlägen und «Stop and Go»-Bewegungen. Eine gute Beinachsenstabilität und gut trainierte Bein- und Rumpfmuskulatur schonen die Knie und sorgen für einen genussvollen Sport. Übergewicht belastet die Gelenke, insbesondere auch das Kniegelenk. Es sollte deshalb, wenn immer möglich, abgebaut werden.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Fabrizio Branca, Augenzentrum Bahnhof Basel

Piloten, Polizisten und Tramfahrer werden mit Laserpointern attackiert. Wie gefährlich sind diese Strahlen für die Augen?
Abgesehen von einer starken Blendung, welche diese Menschen bei ihrer Tätigkeit gefährlich beeinträchtigen kann, können Laserpointer bleibende Augenschäden verursachen, wie Verbrennungen und Vernarbungen der Netzhaut. Im schlimmsten Fall führt das sogar zur Erblindung. Starke Laser sind als Waffen zu betrachten!

Laser wird auch therapeutisch eingesetzt. Warum ist Laser da nützlich, Laserpointer aber gefährlich?
Der medizinische Laser wird bei Behandlungen minutiös kontrolliert eingesetzt, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. Er ist also gut steuerbar. Laserpointer sollten hingegen nie auf die Augen gerichtet werden, da es dabei zur Verbrennung von Sinneszellen kommen kann. Diese Schäden lassen sich nicht mehr reparieren.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Urs Marbet, Kantonsspital Uri

Darmkrebs spürt man lange nicht. Deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen so wichtig. Wie sicher ist dazu die Untersuchung von Blut im Stuhl?
Die Sicherheit hängt sehr stark vom verwendeten Test ab. Zudem spielt auch eine Rolle, ob spezielle Darmkrebsrisiken vorliegen. Bei den alten Stuhltests war die Sicherheit sehr gering. Mit den neusten, quantitativen immunologischen Methoden liegt die Sicherheit bei 80%. Dies heisst, dass mit diesen Tests 80% von Darmkrebs bereits entdeckt werden kann, bevor er Beschwerden macht. Sehr häufig ist er dann auch noch in einem heilbaren Frühstadium. Die beste Vorsorge ist zurzeit jedoch immer noch die Darmspiegelung. Sie wird jedem ab 50 empfohlen. Wenn Vater, Mutter oder Geschwister Darmkrebs hatten, sollte eine erste Spiegelung etwa zehn Jahre früher erfolgen, als beim Verwandten der Krebs aufgetreten war.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Andreas Raabe, Direktor und Chefarzt Neurochirurgie, Inselspital Bern

Heute können Hirntumore entfernt werden, die früher inoperabel waren. Was hat zu dieser Wende geführt?
Tumore können für den Chirurgen mit blossem Auge oft nicht vom normalen, gesunden Gewebe unterschieden werden. Dasselbe gilt für die Erkennung von Hirn-Arealen mit bestimmten Funktionen. Auch sie sind nicht von anderen Arealen ohne vitale Funktionen zu unterscheiden. Man braucht also Verfahren, die Unsichtbares sichtbar machen. Das ist zum einen die moderne Bildgebung. Damit werden Tumore gut dargestellt. Andererseits ist die Navigation sehr wichtig. Sie lässt uns, sozusagen blind, den Tumor im Gehirn finden. Fast noch wichtiger ist jedoch die Erkennung der Funktion des Hirngewebes. Auch dort gibt es Fortschritte in der Bildgebung und neue Überwachungsverfahren.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Gertraude Hagmann, Gynäkologin und Psychotherapeutin, Klinik Schützen, Rheinfelden

Wie gut kann man mit einer positiven Einstellung die Wechseljahre steuern?
Eine positive Einstellung hilft nicht nur in den Wechseljahren, sondern im ganzen Leben. Wer einer neuen Lebensphase mit Lebensfreude, Optimismus, Humor und Neugier begegnet, hat es leichter. So kann man zwar nicht bewusst Symptome steuern, aber sehr dazu beitragen, mit allfälligen Beschwerden besser umzugehen.

Was ist nach den Wechseljahren besser?
Viele Frauen begrüssen es, dass die Menstruation und die Sorge vor ungewollter Schwangerschaft vorbei sind. Dies kann neue Freiräume in der Sexualität ermöglichen. Ausserdem verschwinden nach der Menopause verschiedene Beschwerden hormonabhängiger Erkrankungen: z.B. Myome, Endometriose und das oft über Jahre plagende prämenstruelle Syndrom.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Reto Agosti, Leiter Kopfwehzentrum Hirslanden, Zürich

Welche neuesten Erkenntnisse gibt es über Migräne?
In den letzten 20 Jahren hat sich das wissenschaftliche Denken über die Entstehung stark gewandelt: Von der Annahme, Migräne entstehe durch Veränderungen der Blutgefässe im Gehirn, zu Erkenntnissen, dass der wichtigste Mechanismus der Migräne eine Fehlsteuerung des Kopf-Schmerz-Systems im Gehirn ist. Das erklärt, dass die meisten Migränemedikamente direkt am Gehirn angreifen und dass Medikamente aus der Depressions und der Epilepsiebehandlung für die Migräneprophylaxe mit Erfolg eingesetzt werden können. Nach Einführung der gut wirksamen Triptane vor 20 Jahren laufen zurzeit Studien zur Blockade von CGRP, einem Schmerzüberträgerstoff, der im Hirnstamm aktiv ist. Zudem sind in den letzten Jahren mehrere elektrische Geräte zur Migräne-Drosselung erhältlich geworden.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Bettina Isenschmid, Chefärztin Kompetenzzentrum für Essstörungen und Adipositas Spital Zofingen

Bewegung hilft beim Abnehmen. Doch was, wenn Schmerzen plagen?
Schmerzen mit Einschränkungen der Beweglichkeit entstehen wegen Abnützungserscheinungen in den Gelenken (Arthrose). Gerade in dieser Situation ist es aber wichtig, sich regelmässig zu bewegen, weil dadurch mehr Gelenkflüssigkeit produziert und die Durchblutung verbessert wird. Ausserdem wird die Muskulatur trainiert, wodurch die Gelenke wiederum entlastet werden. Es sind jedoch gelenkschonende und gewichtsentlastende Aktivitäten zu wählen wie Schwimmen, Wassergymnastik, Walking oder Radfahren. Sportschuhe, die sicheren Halt und gute Dämpfung bieten, sind auch wichtig. Und kleine Ziele wählen! Primär steht nicht die Leistung im Vordergrund, sondern die Freude an der Bewegung zu finden.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit PD Dr. Georgios Mantokoudis, Oberarzt HNO, Inselspital Bern

Schwindel kann durch verminderte Durchblutung im Innenohr entstehen. Wer ist davon betroffen und was hilft dagegen?
Es gibt sehr unterschiedliche Schwindelursachen, von harmlosen viralen Infekten bis zu einem gefährlichen Hirnschlag. Über 75% der Ursachen sind gutartig. Durchblutungsstörungen des Innenohrs sind eher selten und führen nebst einer Gleichgewichtsstörung auch zu einem Hörverlust oder anderen neurologischen Symptomen. Beispiel: Stand- und Gangunsicherheit, Sehen von Doppelbildern, Sensibilitätsstörung oder Lähmung des Gesichts. Häufiger betroffen sind Menschen mit Risikofaktoren wie Diabetes, Raucher oder Menschen mit erhöhtem Blutdruck. Eine Reduktion der Risiken hilft, das heisst: Genügend Bewegung, ausgeglichene Ernährung und eine Reduktion von Übergewicht sind empfehlenswert.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Petra Kohler, Kardiologin, Viollier AG, Basel

Heute gelten Blutdruckwerte zwischen 90 und 140 mmHg als akzeptabel. Sehen Sie das auch so?
Das ist für eine Messung in der Arztpraxis korrekt. Bei Nierenpatienten und Diabetikern sollte der Wert allerdings weniger als 140/85 mmHg betragen. Bei älteren Patienten wird diskutiert, ob man obere Werte bis 150 akzeptiert. Zu Hause sollte der Blutdruck bei Selbstmessungen tiefer sein als 135/85.

Können Lebensmittel den Blutdruck senken?
Ja! Es gibt eine kleine Untersuchung, die nachgewiesen hat, dass ein halber Liter Randensaft den Blutdruck um 5 mmHg senkt. Ob man das verträgt und ob es ausreicht, sollte man beim Patienten individuell prüfen. Ähnliche Effekte werden auch dunkler Schokolade oder Hibiskustee zugeschrieben. Unbestritten ist, dass jeder Bluthochdruckpatient auf eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse achten soll.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Annett Härtel, Fachärztin für Dermatologie in Basel und Uitikon Waldegg

Wieso tut UV-Licht gut bei Schuppenflechte?
Mit UV-Licht kann das Immunsystem beeinflusst und für einige Zeit eine überschiessende Immunreaktion unterdrückt werden. Für die Behandlung der Psoriasis nutzt man eine Kombination aus Bade- und Lichttherapien. Kurerfolge wie am Toten Meer in Israel und der Blauen Lagune in Island lassen sich mit der Balneo-Phototherapie, Salzbädern und UV-Bestrahlung beim Arzt ebenso gut erreichen. Um die schädlichen Effekte des UV-Lichtes zu reduzieren, gibt es Bestrahlungsgeräte mit dem Schmalspektrum-UVB und die Selektive-Ultraviolett-Phototherapie, die optimal auf die Patienten angepasst werden. Bei der Lichttherapie wird mit einem speziellen Medikament die befallene Haut erst lichtempfindlicher gemacht und dann nur kurz mit UVA bestrahlt. Psoriasis kann heute sehr gut behandelt werden, auch schwere Verläufe.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit PD Dr. med. Martin Früh, Leitender Arzt Onkologie, Kantonsspital St. Gallen

Krebszellen können sich tarnen, sodass sie vom Abwehrsystem nicht mehr erkannt werden. Wie schaffen sie dies?
Krebszellen können der Zerstörung durch das Immunsystem entkommen. Dabei aktivieren sie natürliche «Bremsen» des Abwehrsystems. Diese Schwächung ist für die Immuntoleranz und das Verhindern von sogenannten Autoimmunkrankheiten wichtig.

An der Enttarnung von Krebszellen setzen Immuntherapien an. Wofür werden diese Behandlungen entwickelt und wie erfolgreich sind sie?
Immuntherapien sind beim schwarzen Hautkrebs am erfolgversprechendsten. Auch bei Nieren- und Lungenkrebs wurde die Wirksamkeit nachgewiesen, allerdings ist im Vergleich zu Hautkrebs die Wirkung etwas schwä­cher. Die Immuntherapie wird zudem in vielen anderen Tumorarten intensiv erforscht.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Andreas Müller, Facharzt für Gastroenterologie, Gastrozentrum Hirslanden

Was ist das sogenannte Bauchhirn?
Das ist ein sogenanntes enterisches Nervensystem, welches ein durchgehendes Netzwerk mit über 100 Millionen Nervenzellen darstellt. Es reicht von der Speiseröhre bis zum Darmausgang. Wie das Gehirn kann das enterische Nervensystem autonom vom restlichen Körper arbeiten und besteht aus gleichen Zelltypen, Wirkstoffen und Rezeptoren. Es wird deshalb häufig als das zweite Gehirn bezeichnet. Aus Sicht der Evolution ist dies nicht richtig: Ursprünglich ist das enterische Nervensystem das erste «Gehirn». Es kontrolliert das Funktionieren des Verdauungssystems. Aus den vordersten Nervenzellen entwickelte sich dann das Kopfhirn mit seinen verschiedenen Sinnen. Das Bauchhirn ist in ständiger Verbindung mit dem Kopfhirn. Rund 90 Prozent der Informationen werden vom Bauchhirn zum Kopfhirn, nur zehn Prozent umgekehrt versandt.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Richard Kobza, Chefarzt Kardiologie, Herzzentrum, Kantonsspital Luzern

Ein beklemmender Schmerz in der Brust ist typisch bei Angina pectoris. Wer ist gefährdet?
Angina pectoris tritt auf, wenn der Herzmuskel zu wenig mit Blut versorgt wird und zu wenig Sauerstoff bekommt. Die häufigste Ursache ist eine Einengung der Koronararterien, die sogenannte koronare Herzerkrankung. Die wichtigsten Risikofaktoren sind Alter, Rauchen, hoher Blutdruck, Diabetes und hohes Cholesterin.

Kann man die Krankheit heilen?
Eine Angina pectoris ist ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung. Es gibt Patienten, die im Rahmen von Herzrhythmusstörungen eine Angina pectoris haben. Gewisse Herzrhythmusstörungen kann man mit einem Eingriff heilen, d.h. man heilt auch die Angina pectoris. Eine Arteriosklerose der Herzkranzgefässe kann man mit Stents behandeln, aber nicht ganz heilen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» Über das Lachen

Lachen lohnt sich, es nimmt Stress, lindert Schmerzen und macht glücklich. Lachen entspannt und unterstützt Heilungsprozesse. Lachen macht schön und hält jung, denn es fördert die Sauerstoffversorgung. Beim Lachen werden Glückshormone ausgeschüttet. Wer lacht, fühlt sich besser. Doch lachen wir genü- gend? Wann haben Sie das letzte Mal richtig herzhaft gelacht? Und was, wenn einem nicht zum Lachen ist? Es lohnt sich trotzdem, sich zu einem Lächeln durchzuringen. Die Wirkung lässt nicht auf sich warten. Eine bessere Laune stellt sich ein. Und wenn man trotzdem nicht lachen kann? Dann schenkt man den anderen ein Lächeln. Das Glück kommt zurück. Das weiss auch Clown Dimitri. Von ihm wollen wir wissen, was lustig ist. Bei gesundheitheute interessiert uns allerdings auch der Mensch hinter dem Clown und seine positive Lebensphilosophie. Denn eine bejahende Lebenseinstellung hilft der Gesundheit – und das neue Jahr soll positiv beginnen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit PD Dr. med. Christina Jeanneret-Gris, Leitende Ärztin Angiologie, Kantons­ spital Baselland

Wie spürt man es, wenn eine Vene im Bein durch ein Blutgerinnsel verstopft ist?
Am häufigsten äussern Betroffene Wadenschmerzen und eine Schwellung des Beines. Nicht selten, insbesondere bei bettlägerigen Patienten, verlaufen die Venenthrombosen jedoch ohne Beschwerden. Wenn das Gerinnsel nach oben wächst, schwillt das ganze Bein an, dies wegen der Verstopfung der Venenzusammenflüsse.

Wie rasch muss man reagieren?
So rasch wie möglich. Es gilt zu verhindern, dass die Thrombose weiter nach oben, herzwärts wächst und sich ein kleiner Teil, genannt Embolus ablöst. Solche Gerinnsel können in die Lungenarterien gelangen und wichtige Blutgefässe verstopfen. Der Sauerstoffaustausch kann dann nicht mehr stattfinden. Lungenembolien zeigen sich durch Beschwerden wie Atemnot, Schmerzen beim Atmen, manchmal auch Bluthusten.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Jürg Merz, ehemaliger Pfarrer Universitätsspital Basel

Welche Phasen durchlebt man während der Trauer?
Die Phasen sind unterschiedlich, je nachdem ob der 96-jährige Vater, die entfernte Schwester oder das 10-wöchige Kind sterben. Es ist anders bei einem Todesfall nach langer Krankheitszeit, bei einem Herzstillstand oder Verkehrsunfall. Grundsätzlich sind oft der Schock und Lähmung an erster Stelle. Danach folgen Schmerz, Verzweiflung, Angst, Wut... Im besten Falle gibt es als letzte Phase Zustimmung, das Annehmen der Situation.

Wo finden Menschen Halt, wenn sie keine Religion haben?
Angesichts des Todes und der Trauer wird fast jedem Menschen bewusst, dass wir letztlich abhängige Wesen sind. Da gibt es dann ein Wissen um das Numinose oder Unnennbare, Namenlose, um eine kosmische Macht. Von nichts abhängig zu sein, kann Schuld und Angst hervorrufen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Claudia Steurer-Stey, Leiterin Bereich Chronic Care, Universitätsspital Zürich

Husten am Morgen, schweres Atmen beim Treppensteigen. Sind solche Beschwerden alarmierend?
Morgendlicher Husten und Atemnot bei Anstrengung sind ernstzunehmende Symptome und können bei einem Raucher auf eine Lungenerkrankung, eine sogenannte COPD oder im Volksmund «RaucherLunge», hinweisen.

Wie lange und wie viel muss jemand rauchen, damit sich eine COPD entwickeln kann?
Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn man empfindlich ist auf die schädlichen Wirkstoffe im Zigarettenrauch, steigt mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten und der Dauer des Rauchens das Risiko deutlich an. Studien zeigen, dass bei Rauchern und Exrauchern, die etwa zehn Jahre lang 20 Zigaretten pro Tag geraucht haben und Husten oder Atemnot haben, bei etwa 40 Prozent eine COPD vorliegt.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit PD Dr. med. Gian Salzmann, Oberarzt Orthopädie, Schulthess Klinik

Eine therapeutische Gelenkspiegelung, eine sogenannte Arthroskopie, ist ein sehr häufiger Eingriff. Nun wird diskutiert, ob diese Behandlung sinnvoll oder eher nutzlos ist. Wie sehen Sie es?
Diese Frage muss man sehr differenziert betrachten. Wenn man einen harten, starken Grund hat, wie zum Beispiel einen klaren Riss am Meniskus, und dieser auch klinisch nachvollziehbare Beschwerden verursacht, dann ist eine therapeutische Arthroskopie angebracht. Wird ein arthroskopischer Eingriff jedoch nur wegen eines Gelenkverschleisses, also einer Arthrose, empfohlen, dann ist dies nicht sinnvoll.

Heute gibt es die Möglichkeit, beschädigten Knorpel am Kniegelenk zu ersetzen. Wie gut bewähren sich diese Methoden langfristig?
Langzeitdaten haben eine hohe Erfolgsrate von 75 bis 80 Prozent zufriedener Patienten gezeigt, zum Beispiel nach einer Knorpelzelltransplantation.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit PD Dr. med. Laurent Roten, Universitätsklinik für Kardiologie, Inselspital Bern

Müssen Herzrhythmusstörungen immer behandelt werden?
Bei harmlosen Rhythmusstörungen muss nicht behandelt werden. Allerdings können auch diese sehr unangenehme Beschwerden verursachen, weshalb trotzdem eine Behandlung nötig ist. Im Falle von Vorhofflimmern und auch Vorhofflattern muss aufgrund des Risikos eines Hirnschlages in den allermeisten Fällen eine blutverdünnende Therapie eingeleitet werden. Bei gefährlichen Rhythmusstö­rungen muss, falls möglich, die Ursache der Störungen behoben werden, z.B. eine Durchblutungsstö­rung des Herzmuskels bei einer koronaren Herzerkrankung. Kann sie nicht behoben werden, braucht es weitere Massnahmen wie Medikamente, die Implantation eines Herzschrittmachers oder eines Herzdefibrillators oder die gezielte Verödung der Rhythmusstörung mittels eines Kathetereingriffes.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» zum Thema Diabetes

Was gegessen und nicht verbrannt wird, wird zu Fett. Heute weiss man, dass zu viele Kohlenhydrate in Snacks, Brot, Fruchtjoghurts oder Süssgetränken dazu beitragen, Fett abzulagern. Übergewicht ist ein Problem für die Gesundheit. Im Fettgewebe bilden sich nämlich Hormone, die zur Entwicklung eines Diabetes beitragen. Deshalb verbessert sich die Zuckerkrankheit auch, sobald Gewicht verloren geht. Typische Warnzeichen für Diabetes sind Müdigkeit, Durst, vermehrtes Wasserlösen und immer wieder Infekte. Wenn der Hausarzt jemandem rät, aufzupassen mit dem Körpergewicht, dann sollte man unbedingt etwas tun. Mit einer moderaten Gewichtsreduktion von knapp fünf Kilo und mehr Bewegung kann man das Risiko für Diabetes um die Hälfte reduzieren. Was vielen nicht bekannt ist: Ein hoher Blutzucker schadet dem Herzen, dem Hirn und den Augen. Solche Folgen lassen sich vermeiden.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Frank Sachers, Augenzentrum Bahnhof Basel

Ab welchem Alter empfehlen Sie eine erste Vorbeugeuntersuchung beim Augenarzt, und wie oft soll man diese machen lassen?
Wenn die erste Lesebrille notwendig wird, empfiehlt sich auch eine Untersuchung beim Augenarzt, also zwischen dem 50. und dem 55. Lebensjahr. Dabei sollte insbesondere auch der Augeninnendruck gemessen und die Gesamtsituation des Auges beurteilt werden. Einen erhöhten Augendruck spürt man nämlich nicht, und er kann verheerende Folgen haben. Nicht selten entdeckt der Augenarzt bei der Erstuntersuchung auch andere Erkrankungen wie z.B. einen hohen Blutdruck oder Diabetes. Diese Krankheiten können Schäden am Auge verursachen. Je nachdem, was bei der Vorsorgeuntersuchung entdeckt wird, empfehlen sich weitere Kontrolluntersuchungen alle zwei oder vier Jahre.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Christoph Neuwirth, Muskelzentrum Kantonsspital St. Gallen

Mit fortschreitendem Alter leiden viele Menschen unter Muskelkrämpfen. Was sind die Ursachen?
Neben dem höheren Lebensalter an sich können Muskelkrämpfe als Symptom von Erkrankungen auftreten, wie Leber- und Nierenfunktionsstörungen, hormonelle Erkrankungen, Krampfadern oder neurologische Erkrankungen. Oder als Nebenwirkung von Medikamenten. Nicht selten bleibt aber die Ursache unklar.

Was empfehlen Sie dagegen?
Wenn Muskelkrämpfe sehr häufig auftreten oder zur Plage werden, zuerst die Hausärztin oder den Hausarzt konsultieren. Neben Dehnübungen können auch diverse Medikamente versucht werden. Allerdings gibt es kaum wissenschaftliche Belege über deren Wirksamkeit, obwohl Muskelkrämpfe sehr häufig vorkommen. Hier gilt es, Nutzen und Risiko einer medikamentösen Therapie sorgfältig abzuwägen und mit den Betroffenen zu besprechen.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Gérard Farkas, orthopädischer Chirurg, Crossklinik Basel

Heute kann man Hallux valgus minimalinvasiv operieren. Was sind die Vorteile?
Bei der bisherigen, altbewährten «offenen» Chirurgie des Fusses muss ein Weichteillappen weggehalten werden, um an den zu korrigierenden Knochen zu gelangen. Bei der minimalinvasiven Fusschirurgie hingegen ermöglichen hoch entwickelte motorbetriebene Bohrer, Fräsen und Sägen das Operieren an Knochen durch eine kleine LochÖffnung. Generell können fast alle bekannten Operationen, vom Rückfuss bis zu den Zehen, mit dieser Technik ausgeführt werden. Da die Weichteile nicht mehr durchtrennt oder aus ihrer Verankerung abgelöst werden, kommt es zu weniger Schwellungen und Schmerzen. Die Operationszeit ist auch kürzer. Ein ernst zu nehmender Anteil von Problemen nach offenen Fussoperationen sind Narbenprobleme, welche bei der minimalinvasiven Operationstechnik logischerweise geringer sind.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Marlies von Siebenthal, leitende Fachfrau Blasenzentrum, Kantonsspital Frauenfeld

Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen ist häufig eine verletzte, dünne Schleimhaut ein Problem, deshalb ist Intimpflege wichtig. Kann man dazu eine normale Bodylotion oder Creme nehmen?
Die normale Bodylotion empfehlen wir eigentlich nicht für die Intimpflege. Patientinnen mit rezidivierenden Blasenentzündungen haben sehr häufig empfindliche Schleimhäute, da möchten wir keine zusätzliche Reizung der Vaginalschleimhaut. Normale Bodylotionen sind häufig parfümiert und können reizen. Wir verordnen eine phneutrale Waschlotion und eine Fettcreme. Sinnvoll sind unparfümierte Cremen, die stark rückfettend und auch leicht entzündungshemmend wirken. Es kann aber auch ein ganz normales Melkfett verwendet werden. Die Fettcreme sollte in die Scheide und am Darmausgang einmassiert werden. Wenn ein Hormonmangel vorliegt, z.B. in der Menopause, beginnen wir zusätzlich mit Hormoncreme.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Thomas Nierle, Präsident «Ärzte ohne Grenzen»

Sie sehen viel Leid. Wie hat sich die Situation in den letzten 10 Jahren für «Ärzte ohne Grenzen» verändert?
Die humanitäre Hilfe hat sich generell sehr professionalisiert. Dies ist auch bei «Ärzte ohne Grenzen» so. Bei uns hat dadurch die medizinische Hilfe an Qualität und Reaktivität gewonnen. In den letzten Jahren hat sich die Wahrnehmung der humanitären Hilfe bei den Konfliktparteien teilweise verändert. Humanitäre Hilfe wird häufig mit westlichen Werten assoziiert, denen manche Gruppierungen sehr skeptisch gegenüberstehen. Die Politisierung der humanitären Hilfe spielt dabei eine wesentliche Rolle. Unsere politische und finanzielle Unabhängigkeit hilft uns sehr, mit diesen Gruppierungen zu verhandeln, um Zugang zu der an den Konsequenzen des Krieges leidenden Bevölkerung zu verhandeln und wirksame Hilfsprogramme aufbauen und aufrechterhalten zu können.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Monika Ebnöther, leitende Ärztin Hämatologie, St. Claraspital Basel

Was passiert im Körper bei der Eisenspeicherkrankheit?
Der Körper kann im Normalfall die Aufnahme von Eisen im Darm je nach Bedarf regeln. Bei der Eisenspeicherkrankheit funktioniert diese Regulation nicht, und es wird alles Eisen, das mit der Nahrung zugeführt wird, aufgenommen. Dieses wird gespeichert und abgelagert, vor allem in der Leber, den Hormondrüsen, Herz und Gelenken. Längere Zeit bemerkt man nichts; erst wenn die Organe stark mit Eisen überladen sind, nehmen sie Schaden und es kommt zu Symptomen. Häufig zuerst zu Gelenkschmerzen und einer abnormen Müdigkeit. Der Leberschaden kann in eine Leberzirrhose übergehen, sodass der Körper nicht mehr entgiftet werden kann. Es kann zu Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche kommen. Bei unklaren Gelenkschmerzen und neu aufgetretenem Diabetes soll eine Eisen­überladung des Körpers überprüft werden.
Dr. Jeanne FürstTV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Prof. Dr. med. Claudio L. Bassetti, linikdirektor Neurologie, Inselspital Bern

Es gibt Menschen,die mehrmals am Tag schlagartig einschlafen und dies nicht kontrollieren können. Was steckt dahinter?
Die Schlafkrankheit – im Fachjargon Narkolepsie – ist ein sehr eindrückliches klinisches Krankheitsbild. Betroffene können im Stehen oder, wenn sie lachen müssen, plötzlich einschlafen. Die Schlaf-wach-Regulierung ist gestört. Es handelt sich um eine Autoimmunkrankheit, bei der Antikörper bestimmte Hirnzellen zerstören. Zum einen muss eine genetische Veranlagung vorhanden sein und zum anderen externe Faktoren wie Infektionen, z.B. Angina oder auch Impfstoffe, welche die Krankheit auslösen können. Die Diagnose wird oft nicht gestellt, weil die Ärzte häufig gar nicht an diese Krankheit denken. Wenn jemand jedoch überall und plötzlich einschläft, ist das nicht gesund. Man sollte dann an Narkolepsie denken.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Hans P. Ogal, Spezialist für Schmerz- und Neuraltherapie, Baar

Neuraltherapie ist eine Methode aus der Komplementärmedizin. Dabei wird ein lokales Betäubungsmittel angewendet, um Störfelder zu lösen und Schmerzen zu lindern. Bei welchen Schmerzen hilft diese Methode?
Man kann nicht sagen, es wirkt nur bei bestimmten Schmerzen, hingegen muss vorher geprüft werden, ob die Schmerzsymptomatik auf Neuraltherapie anspricht. Mit dem lokalen Betäubungsmittel können überempfindliche Nerven kurzfristig betäubt werden, sodass sie sich dann wieder normalisieren können. Auch bei Störungen des vegetativen Nervensystems oder hormonellen Störungen (z.B. Hitzewallungen) hat sich die Neuraltherapie bewährt.

Kann man auch bei Migräne profitieren?
Auf alle Fälle. Migräne ist eine sehr dankbare Indikation für die Neuraltherapie. Meist kommen aber noch weitere komplementärmedizinische Verfahren wie z.B. eine Symbioselenkung zusätzlich zur Anwendung.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» über Männer in Not

Es gibt Männer, die wenig spüren vom Alter. Andere sind müde, gereizt, haben wenig Lust auf Sex, und manche verlieren sogar die Lebensfreude. Bei Frauen würde man von Wechseljahrbeschwerden sprechen und Hormone verordnen. Beim Mann ist es etwas komplizierter. Andropause nennt man zwar die männlichen Wechseljahre, doch was dagegen zu tun ist, da scheiden sich die Geister. Wissenschaftlich belegt ist, dass sich der Hormonhaushalt auch beim Mann mit dem Alter verändert. So sind die Testosteronspiegel bei einem Drittel der Senioren zu tief. Da fragt es sich, ob, wann und wie lange eine Testosteronbehandlung sinnvoll wäre und welche Risiken man damit eingeht. Viele Experten behaupten, Hormontherapien beim Mann führen nicht zu gesundheitlichen Problemen. Werden wiederholt niedrige Testosteronspiegel nachgewiesen und kommt es zu belastenden, untragbaren Beschwerden, kann eine Testosteronbehandlung ratsam sein.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Annett Härtel, Dermatologin Basel und Zürich

Wieso werden nach den Wechseljahren die Haare oft dünner – und was kann man dagegen tun?
In den Wechseljahren kommt es oft zu einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt. Nehmen die weiblichen Hormone im Vergleich zu den männlichen ab, kann dies den Haarausfall bewirken. Medikamentennebenwirkungen, Stress, Krankheiten aber auch Fehlernährung begünstigen Haarausfall und kommen nach den Wechseljahren häufiger vor. Mit einer guten Ernährung und Ergänzung z.B. mit Kieselsäure können bei frühzeitigem Einsatz Verbesserungen erreicht werden. Besonders gut ist z.B. Soja – es enthält alle wichtigen Aminosäuren sowie Pflanzen­ östrogene zur hormonellen Unterstützung. Bei schweren Fällen braucht es schnell den Hautarzt. Mit einer Laboruntersuchung und Haarbodenanalyse kann das Problem eingegrenzt und gezielt behandelt werden
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute»

Ein Duft gelangt mit den Nasennerven direkt ins Gehirn, und zwar in jene Regionen, in welchen Emotionen verarbeitet werden. Deshalb lösen Gerüche positive oder negative Gefühle aus. Wie wichtig der Geruchssinn in der Gesellschaft ist, zeigen die vielen Redewendungen: «Den kann ich nicht riechen», etwas ist «anrüchig», oder jemand hat «einen guten Riecher». Auch bei neurologischen Erkrankungen kann der Geruchssinn eine Rolle spielen. Der Verlust des Geruchssinns kann z.B. erster Vorbote von Parkinson sein. Menschen mit Depressionen und Stimmungstiefs sprechen gut auf Aromatherapie an. Deshalb wollten wir wissen, ob es möglich ist, ein Parfum zu entwickeln, das eine aufmunternde Wirkung hat. Parfumeur Vincent Micotti ist es gelungen, für «gesundheitheute» einen stimmungsaufhellenden Duft zu kreieren, «le Parfum de Jeanne», mit Essenzen wie Mandarine, Vanille, Tonka und Holznoten.
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Dr. med. Michael C. Glanzmann, Leitender Oberarzt Orthopädie, Schulthess Klinik

Warum ist das Schultergelenk so anfällig für Verletzungen?
Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Menschen. Es kann in alle Richtungen gedreht und bewegt werden. Dieser Vorteil ist gleichzeitig auch ein Nachteil, weil dadurch Auskugelungen und Sehnenprobleme häufiger auftreten können.

Wie kann ich meine Schulter schützen?
Eine gute Haltung des gesamten Schultergürtels ist die beste Prävention. Zusätzlich kann durch Sport und geeignete Bewegung der Motor der Schulter, die sogenannte Rotatorenmanschette, in Form gehalten werden. Repetitive Arbeiten unter schwerer Belastung, vor allem dann, wenn der Arm über dem Kopf oder in Körperferne gehalten wird, sind wenn immer möglich zu vermeiden. Damit kann einer Schleimbeutelentzündung oder einer Sehnenreizung vorgebeugt werden
Dr. Jeanne Fürst TV-Moderatorin «gesundheitheute» im Gespräch mit Sandrine Burnand, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, Klinik Schützen Rheinfelden

Schätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz mindestens 330000 Personen ihre kranken Angehörigen zu Hause pflegen. Oft kümmern sie sich täglich und fast rund um die Uhr um ihre geschwächten Familienmitglieder. Dies zerrt an den eigenen Kräften. Was ist wichtig, um ein Burnout zu vermeiden?
Abklären, wo man Hilfe finden kann, und gewisse Aufgaben unbedingt delegieren. Man sollte regelmässig soziale Kontakte pflegen, sich also nicht zurückziehen. Sich Freiräume verschaffen und Hobbys pflegen, ist ebenso wertvoll. Eine offene Kommunikation ist wichtig, und zwar indem man auch über die eigenen Grenzen spricht. Man muss lernen, Nein sagen zu können. Es lohnt sich, die eigene Belastbarkeit und Befindlichkeit regelmässig zu überprüfen und dass man sich bei Überforderungsgefühlen bei Fachpersonen Hilfe holt.