Skip to main content
Schweizer Familie

«Nierenkrankheiten bleiben lange unbemerkt»

«Nierenkrankheiten bleiben lange unbemerkt»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 5. Februar 2026

(Symbolbild: iStock)

Eine Nierenschwäche verursacht lange keine eindeutigen Beschwerden. Der Nephrologe Andreas Schleich erklärt, wann eine Abklärung sinnvoll ist.

Andreas Schleich ist Oberarzt meV Nephrologie am Stadtspital Zürich.

Andreas Schleich, wozu dienen die Nieren?
Sie sind die Kläranlage des Körpers und sorgen dafür, dass Giftstoffe ausgeschieden werden. Zudem regulieren sie den Wasser-, den Mineralien- und den Säure-Basen-Haushalt sowie die Ausschüttung gewisser Hormone. Sind die Nieren krank, können einzelne oder all diese Funktionen beeinträchtigt sein.

Mit welchen Symptomen zeigt sich das?
Man muss zwischen einer Nierenerkrankung und einem Nierenversagen unterscheiden. Eine Nierenerkrankung bemerkt man oft lange nicht, da Beschwerden fehlen oder unspezifisch sind. Bei fortgeschrittener Erkrankung können Symptome wie Abgeschlagenheit oder Appetitlosigkeit auftreten, die auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen. In gewissen Fällen können geschwollene Beine und Blut im Urin auf eine Nierenkrankheit hindeuten. Beim Nierenversagen arbeiten die Nieren nicht mehr. Das ist lebensbedrohlich und wird in der Regel rasch erkannt.

Welches sind die häufigsten Ursachen einer Nierenschwäche?
Diabetes und Bluthochdruck. Weitere Ursachen sind genetische Erkrankungen und Nierenfehlbildungen sowie Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Immunsystem. Zudem finden wir bei rheumatischen Erkrankungen, Krebs oder Herzschwäche gehäuft eine begleitende Nierenschwäche. Verantwortlich dafür sind oft Medikamente wie bestimmte Schmerzmittel.

Wer sollte seine Nierenwerte testen lassen?
Menschen, die aufgrund der genannten Faktoren zur Risikogruppe zählen oder die ein enges Familienmitglied haben, das früh an einer Nierenschwäche litt, sollten regelmässig zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

Wie werden die Nierenwerte kontrolliert?
Anhand von Urin- und Bluttests. Geht es den Nieren nicht gut, können sich etwa Eiweisse oder Blutzellen im Urin befinden. Anhand der Kontrolle des Blutes lässt sich erkennen, wie gut die Nieren das Blut reinigen.

Wie lässt sich eine Nierenschwäche behandeln?
Das hängt von der Ursache ab. Ist die Nierenschwäche die Folge von Diabetes oder Bluthochdruck, zielt die Therapie mit Medikamenten und Alltagsverhalten auf eine Optimierung von Blutdruck und Blutzucker. Bei anderen Erkrankungen helfen oft Medikamente, die das Fortschreiten der Nierenerkrankung verlangsamen oder stoppen können. In den seltenen Fällen, in denen es zu Nierenversagen kommt, ist eine Dialyse oder eine Nierentransplantation nötig.

Empfehlen Sie diesen Beitrag weiter: