«Reflux-Symptome lassen sich gut behandeln»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 1. Februar 2024

(Symbolbild: iStock)

Fast 20 Prozent der Erwachsenen leiden unter Reflux. Je nach Patient und Art der Erkrankung werden unterschiedliche Therapien angewendet, sagt der Viszeralchirurg Urs Zingg.

Urs Zingg, wann ist saures Aufstossen völlig normal, und ab wann sollte man es abklären lassen?
Refluxsymptome wie saures Aufstossen kennen die meisten Menschen. Treten sie nur gelegentlich und hauptsächlich nach üppigen Mahlzeiten auf, ist das absolut normal und kein Grund zur Sorge. Leidet man aber mehrmals pro Woche oder nach jedem Essen an Aufstossen, sollte man dies ärztlich abklären.

Urs Zingg ist Chefarzt Chirurgie und Leiter des Refluxzentrums am Spital Limmattal in Schlieren.

Welches sind die klassischen Refluxsymptome?
Neben dem Hochkommen von saurer Flüssigkeit sind das ein Brennen hinter dem Brustbein und das Gefühl, etwas Saures im Rachen oder Mund zu haben. Dieses Gefühl verstärkt sich beim Bücken oder Pressen. Beim sogenannten Volumen-Reflux haben Betroffene das Problem, dass viel Flüssigkeit oder unverdaute Nahrung die Speiseröhre hochkommt. Eine weitere Gruppe Menschen leidet an atypischen Symptomen wie Husten oder Reizungen im Rachen.

Was löst die Refluxsymptome aus?
Eine Störung des Schliessapparates, der zwischen der Speiseröhre und dem Magen liegt. Normalerweise öffnet er sich nur, wenn wir schlucken. Ist diese Funktion jedoch fehlerhaft, kann der Mageninhalt nach oben in die Speiseröhre fliessen und diese angreifen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Den einen Menschen hilft es bereits, Risikofaktoren wie Übergewicht, fettiges Essen und den Alkoholkonsum zu reduzieren. Ein nächster Schritt sind säurebindende Medikamente oder Säureblocker. Weiter kann der fehlerhafte Schliessapparat operativ repariert werden.

Ist eine Operation erst in einem fortgeschrittenen Stadium angezeigt?
Nein, dafür gibt es andere, individuelle Gründe. Etwa, dass jemand die Medikamente schlecht verträgt oder nicht ein Leben lang auf sie angewiesen sein möchte. Den erwähnten Volumen- Reflux kann man zudem besser operativ behandeln. Insgesamt operieren wir rund 20 Prozent der Patientinnen und Patienten, die zu uns ins Refluxzentrum kommen.

Wie hoch sind die Erfolgschancen bei der Operation?
Langfristig liegen sie bei rund 90 Prozent. Es gibt Menschen, bei denen die Symptome nach Jahren langsam zurückkommen. Sie lassen sich dann aber gut mit Medikamenten oder mit einer erneuten Operation behandeln. Mit der richtigen Therapie unterscheidet sich die Lebensqualität von Refluxpatientinnen und -patienten nicht von derjenigen eines gesunden Menschen.

 

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