«Eisenmangel ist ein häufiges Symptom von Zöliakie»

Interview Jeanne Fürst und Fabienne Eichelberger, 26. Oktober 2023

(Symbolbild: iStock)

Ein Prozent der Bevölkerung leidet an Zöliakie. Wissen tut dies jedoch nur jeder 5. Betroffene. Bei Frauen dauert es oft länger bis zur Diagnose, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Diana Studerus.

Diana Studerus, was geschieht im Körper, wenn man an Zöliakie leidet?
Nehmen Betroffene Gluten zu sich, wird das Immunsystem aktiv und versucht, das Getreideeiweiss zu bekämpfen. Dadurch baut sich die Dünndarmschleimhaut um, oder sie wird komplett beschädigt. Die Darmzotten, welche die Oberfläche des Dünndarms vergrössern, verkürzen sich, weshalb Nährstoffe schlechter aufgenommen werden. Das kann Mangelerscheinungen auslösen.

Zöliakie gilt als das Chamäleon der Magen-Darm-Erkrankungen. Wieso?
Zöliakie lässt sich nicht anhand von typischen Symptomen erkennen. Diese sind von Person zu Person unterschiedlich. Oft sehen wir jedoch, dass Betroffene unter Eisenmangel leiden. Weiter können unter anderem Durchfall, Blähungen, Verstopfung und Osteoporose auf Zöliakie hindeuten.

Diana Studerus ist Ernährungswissenschaftlerin am Gastrozentrum Hirslanden in Zürich.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?
Wir benötigen dazu zwei Tests: Zum einen den Bluttest, mit dem die sogenannten Transglutaminase-Antikörper gemessen werden. Sind sie erhöht, liegt mit grosser Wahrscheinlichkeit Zöliakie vor. Dann erfolgt bei Erwachsenen eine Magenspiegelung, bei der eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm untersucht wird. So gelangen wir zu einer provisorischen Diagnose. Verbessern sich die beiden Anzeichen durch eine glutenfreie Ernährung, können wir sicher sein, dass eine Zöliakie vorliegt.

Männer warten im Durchschnitt eineinhalb, Frauen sieben Jahre auf die Diagnose. Warum?
Bei Frauen denken Ärztinnen und Ärzte länger nicht an Zöliakie als bei Männern. Das gängige Symptom des Eisenmangels wird bei Frauen oft mit der Menstruation in Verbindung gebracht. Bei Männern wird es schneller als Alarmzeichen gedeutet, dem man auf den Grund gehen muss.

Leidet man von Geburt an unter Zöliakie?
Die genetische Veranlagung ist von Geburt an da. Zöliakie kann aber in jedem Lebensalter ausbrechen. Früher hielt man Zöliakie für eine Kinderkrankheit. Im Durchschnitt erhalten Betroffene ihre Diagnose heutzutage aber mit Mitte 40. Vor allem bei Frauen passiert es dann oft, dass andere die Augen verdrehen, wenn sie sagen, sie könnten «plötzlich » kein Gluten mehr essen. Damit tut man ihnen unrecht.

Wie kann man Zöliakie behandeln?
Im Moment nur mit glutenfreier Ernährung. Es wird an drei vielversprechenden Medikamenten geforscht, die es Betroffenen ermöglichen könnten, kleine Mengen Gluten zu essen.

 

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